Anmache.

Diese typische Situation in der Kneipe. Oder an der Bushaltestelle. Oder sagen wir: in der Bahn. Ich sitze da, bemerke ihn. Keine klassische Schönheit, sondern ein Typ. Blonde, verwuschelte Haare, ein bisschen rundlich und so gekleidet, dass ich nicht weiß, ob es geplante Lässigkeit oder ein Zeichen dafür ist, dass er über den Dingen steht.

Er blickt auf und sieht mich. Er lächelt. Ich werde rot und schaue verlegen weg, versuche, mich mit etwas zu beschäftigen, aber es findet sich nichts Wichtigeres, als wieder zu ihm hinzuschauen. Er hat seinen Blick abgewandt, so dass ich Gelegenheit habe, ihn zu mustern. Doch schon blickt er wieder zu mir hinüber, ich lächele und …

Fortsetzung #1
… er steht auf, klemmt seine Tasche unter den Arm und kommt zu mir hinüber. „Ist der Platz hier noch frei?“ fragt er mit warmer Stimme. Ich bejahe. Er setzt sich mir gegenüber. Ich weiß, es wäre eine super Sache, jetzt etwas zu sagen. „Fährst du öfter diese Strecke?“ wäre eine nahe liegende Frage, aber einfallslos. Sie würde funktionieren, aber möchte ich wirklich nur funktionieren?

„Bis wir hier raus sind, möchte ich Deine Nummer haben“, sagt er, und ich weiß, dass er sie bekommen wird.

Fortsetzung #2
… er steht auf, klemmt seine Tasche unter den Arm und geht zum Ausgang. Oh nein. Was tue ich? Warum tut er nichts? Ich bin am Zug. Verdammt. Ich rolle die Kopfhörer um den MP3-Player, stehe auf und trete neben ihn. Auf Augenhöhe blicken wir uns an.
„Na, auch hier raus?“ fragt er.

Hitze steigt mir in die Wangen, und ich weiß, dass er jetzt weiß, dass es nicht so ist.
„Ich auch nicht“, sagt er und grinst. „Wollte nur mal wissen, ob Du es tust.“

Fortsetzung #3
… warte auf ein Zeichen. Ein eindeutiges Zeichen. Er könnte ein Schild hoch halten, auf dem steht: „Sprich mich an. Du kannst nichts falsch machen.“

Ich schaue weg. Schaue wieder hin. Er hat sich in ein Buch vertieft. Ich schaue aus dem Fenster, auf die Schülergruppe weiter hinten im Abteil, wieder zu ihm. Ich schließe die Augen. Ich könnte meine Nummer auf einen Zettel schreiben und sie ihm beim Vorbeigehen lässig hinhalten.

Ich schlage die Augen auf und sehe, dass er weg ist. Ich sehe zum Ausgang. Auch dort steht er nicht. Die Bahn hält, die Türen gehen auf. Mein Blick sucht die Menge ab, die aus dem Zug strömt. Da ist er wieder. Er sieht mich an, lächelt und verschwindet in Richtung Rolltreppe.

–nessy

Wie spricht man eigentlich eine Frau an? Ich meine wenn man ihren Namen noch nicht kennt. Wie kriegt man den Namen überhaupt aus einer Frau heraus? Und wie kommt man an die dazugehörige Telefonnummer? Mit dem Spruch: „Ich habe meine Telefonnummer verlegt. Kann ich deine haben?“ jedenfalls nicht. Die einzige Antwort, die man damit provoziert ist: „Klar. Steht im Telefonbuch und mein Name steht direkt daneben.“

Bei der gekonnten Anmache ist ein wenig mehr Subtilität erforderlich. Aber auch davon nicht zuviel. Denn mit „subtil in der Ecke stehen und quer durch den Raum die begehrte Dame anstarren“ kommt man auch nicht viel weiter als mit dem oben zitierten Spruch. Man erspart sich hier lediglich die dumme Antwort. Aber ein Date entsteht so nicht.

Humor hilft sicherlich. Aber auch hinten jede Pointe noch einen Witz zu hängen mit den Worten: „Eh, kennst du den schon,…?“ bringt uns nicht weiter. Im besten Fall fällt man als nerviger Witzbold auf. Ähnliche Risiken geht ein, wer zu sehr auf Kavalier macht und dann als Schleimer dasteht.

Die Mischung machts. Ein lockerer Spruch, ein wenig Charme, ein paar gute Manieren und dabei eine ernste verbindliche Art. Das hat zwar keine hundertprozentige Erfolgsgarantie, aber man steht auch nicht doof da wenn es nicht klappt und die Frau einen nicht erhört. Am ehesten zieht meiner Meinung nach übrigens die Masche des weltgewandten Herren. Ohne Protzen die eigene Yacht mit ins Gespräch einfliessen lassen oder gekonnt den letzten Strandurlaub auf Malle als mediteranen Bildungsurlaub mit einflechten.

Frauen suchen schliesslich einen Mann, bei dem sie das Gefühl haben, er könne ihnen Sicherheit geben, ihre Launen ertragen und sich mit ihnen niveauvoll unterhalten. Oder zumindest glauben Männer, daß Frauen das gerne hätten.

Und damit sind wir auch schon bei der Masche, die für Frauen wahrscheinlich immer funktioniert. Das arme, hilflose Weibchen auf der Suche nach einem starken Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht. Die Frau, die es schafft einem Mann dieses Gefühl patriarchischer Überlegenheit zu vermitteln hat schon gewonnen. Zumindest für den Augenblick. Ob es sich lohnt sich solch einen Mann zu angeln muss natürlich jede Frau ganz alleine wissen.

–Mann²

10 / Juli / 2007  Zweierpack  Kommentare deaktiviert
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