Eifersucht
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Sie hat in sein Handy geschaut, und nun möchte sie, dass ich ihr sage, dass es okay gewesen sei. Triumphierend berichtet sie von seinen Eskapaden: einem zweideutigen SMS-Wechsel mit einer Kollegin und einer Verabredung zum Frisbee, von der er ihr nichts erzählt hatte.
„Ich wusste, dass er mit der was am Laufen hat! Ich hab’s einfach gemerkt.“ Ich bin mir nicht sicher, was ich sagen soll. „Vielleicht hat er dir es nur nicht gesagt, weil er wusste, dass du Theater machen würdest“, wende ich ein. „Jetzt verteidigst du ihn auch noch!“ Sie beginnt, sich zu ereifern. „Was soll er sich denn noch alles leisten? Erst sagt mir nichts von seiner Verabredung! Dann schreibt er ständig SMS mit seinen Kolleginnen. Dann geht er mit Kumpels weg und glotzt mit ihnen anderen Weibern hinterher. Ständig . ..“ „Er ist ein Mann und grundanständig.“ „Ach!“ Ihr Mund öffnet und schließt sich wie der eines nach Atem ringenden Karpfens. Ich wittere meine Chance auf mehr als einen Satz. „Wenn er irgendwann mal fremdgeht, dann nur, weil du ihm ständig vorhälst, er würde es tun. Das ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Du führst deine Beziehung, als wärst du Schließerin in der JVA.“ „Wenn ich ihn nicht kontrolliere, meint er, er könnte tun und lassen, was und wie er es will!“ Auf ihrer Stirn haben sich kleine Schweißperlen gebildet, die im Gegenlicht sanft schimmern. „Redest du von deinem Freund oder von euerm Hund?“ „Wie meinst’n das jetzt?“ „Schenk ihm doch zum Geburtstag so ein Elektrohalsband.“ Ihre Augenbrauen neigen sich bedrohlich Richtung Nasenwurzel. Ihre Kiefer zermalmen ein unsichtbares T-Bone-Steak. Dunkle Gewitterwolken ziehen über ihre Stirn. „Glaubst du, du bist nicht liebenswürdig genug?“ frage ich. „Du erstickst ihn.“ „Ich werde sie anrufen und sie fragen.“ „Wen?“ „Seine Kollegin. Ich werde sie fragen, ob was mit ihm läuft.“ „Du machst dich zum Affen.“ „Ja und? Dann weiß ich wenigstens, wo ich dran bin.“ „Wenn du das machst, macht er Schluss. Das kann doch kein Mann aushalten.“ Sie sieht mich an und zischt zwischen den Zähnen hindurch: „Nee, meine Liebe. Vorher mache ich Schluss! Denn alles lasse ich mir von einem Mann auch nicht bieten!“ |
Ich bin ja nicht eifersüchtig. Schliesslich würde das heissen zuzugeben, daß man Gefühle und Verlustängste hat. Das geht als Mann aber schon mal gar nicht. Es bleibt also nur schicksalsergebenes Vertrauen in die Partnerin. So einfach ist das.
Ich schreibe meiner besseren Hälfte nicht vor, wann ich sie wo erwarte und ich versuche es so aussehen zu lassen als würde es mich nicht stören, wenn sie sich mit Vertretern des anderen Geschlechts trifft. Das erhält den Frieden in einer Beziehung und verhindert, dass man frühzeitig an Bluthochdruck stirbt. Im Gegenzug erwarte ich die gleiche Freiheit für mich. Ich möchte gern fortgehen wann ich will, wohin ich will und mit wem ich will. Und natürlich nach Hause kommen, wann immer mir das in den Kram passt. Hat man diese Freiheit, nutzt man sie meisten eh nicht. Erst der gefühlte Freiheitsverlust führt zu dem dringenden Bedürfnis bis nachts um drei (auch gerne unter der Woche) durch die Clubs zu ziehen, in denen sich hirn- und bauchfreie Damen, auf den Tischen tanzend, dem leicht angeheiterten meist männlichen Publikum präsentieren. Wenn man dann noch die eigene Beziehung korrekt pflegt kann gar nix mehr schief gehen. Ab und zu ein paar Blumen, mal eine Schachtel Konfekt, ein gemeinsamer Kinobesuch oder ein drei-Tage-Kurzurlaub und schon läuft alles wie am Schnürchen. Und wenn wir schon dabei sind. Die Freundin freut sich doch mit Sicherheit auch über das GPS-Tracking mit dem Mann jeder Zeit ihr Handy orten kann. Das hat nix mit Kontrollwahn zu tun sondern mit Sicherheit. Es geht darum der Frau das wohlige Gefühl zu vermitteln immer in ihrer Nähe zu sein. Auch die in der ganzen Wohnung versteckt angebrachten Kameras, die jede Bewegung aufzeichnen sind nicht zur Einschränkung der Freundin da, sondern dienen lediglich der Überwachung von Einbrechern und der Beweisdokumentation zu der Frage wer den letzten Joghurt aus dem Kühlschrank genommen hat. Lediglich die kleine Kamera in der Dusche dient ausschliesslich der eigenen Bespassung. Und damit es lohnt und die ins Internet übertragenen Bilder nicht zu langweilig werden lass ich gelegentlich auch mal andere Damen bei uns duschen. Für die anschliessenden Aktivitäten im Schlafzimmer werden die Kameras dann aber abgeschalten. |