Die Alltagsfalle

Es gibt nichts, das für eine Beziehung tödlicher ist als der Alltag. Und es gibt nichts, das einer Betreuung mehr Stabilität gibt als der gemeinsame Alltag.

Es gibt Paare, die eine mustergültige Partnerschaft führen. Sie leben seit Jahren in Eintracht miteinander – oder leben sie nur nebeneinander? Was, wenn jeder Tag dem vorangegangenen gleicht? Wenn es kein Auf und Ab, keine Höhepunkte, nur noch den Gleichklang der dahinfließenden Zeit gibt? Wenn jeder Tag, jede Woche eine ewige Wiederholung und die Partnerschaft ein einziges Sommerloch ist? Wenn es keinen Grund gibt zu bleiben, aber auch keinen Grund zu gehen? Wenn auf den ersten Blick alles wunderbar, alles perfekt, aber auf dem zweiten Blick alles nur wie immer ist?

Dabei ist nichts so schön ist wie gemeinsamer Alltag. Das Geheimnis steckt in den kleinen Ritualen. Dass er ihr morgens das Frühstück bereitet, bevor er aus dem Haus geht. Dass sie ihm vom Einkaufen immer eine kleine Überraschung mitbringt. Dass sie regelmäßig zu ihrem Lieblingsitaliener gehen, um dort immer das Gleiche zu bestellen. Dass sie sonntags gemeinsam Tatort gucken und dabei auf dem Sofa kuscheln.

Die Vertrautheit, die mit den Jahren entsteht, sie hat verschiedene Ausprägungen. Sie kann sich schlimmstenfalls zeigen in der Tatsache, dass sie sich die Fußnägel auf dem Wohnzimmertisch schneidet, während er in Jogginghose daneben sitzt und sich im Schritt kratzt. Dass sie ihre Pickel ausdrückt, während er sich die Hämmorhoidencreme aufträgt.

Die Vertrautheit, sie kann aber auch die Basis sein für alles. Wenn er weiß, was sie denkt, wenn sie ihn mit der hochgezogenen Augenbraue ansieht. Wenn sie weiß, dass sie ihn nicht ansprechen darf, wenn dieses Brummen aus seinem Hals kommt. Wenn er weiß, dass sie immer noch zehn Minuten braucht, wenn sie sagt, sie könnten nun fahren. Wenn sie weiß, dass er die Größenschilder aus seinen Slips schneidet, seit er Größe 8 trägt, es ihm aber nicht sagt. Wenn die Vertrautheit Basis für die kleinen Aufmerksamkeiten ist, die das Zusammenleben ein bisschen süßer machen.

Es ist eine Gratwanderung. Eine Frage der Erwartungen. Und eine Frage, was man daraus macht. Wie bei allem übrigens.

–nessy

Eine Beziehung zwischen Mann und Frau beginnt erst dann so richtig, wenn man die ersten Höhenflüge des Verliebtseins hinter sich hat, man die rosa Brille abnimmt und sich in den Strudel des Alltagsleben reissen läßt.

Hier erst zeigt sich, wie gut die Beziehung wirklich ist. Und das Ganze zeigt sich nicht daran, wer den Abwasch macht oder ob die Klobrille rauf- bzw. runtergeklappt ist. Noch ist es zwingend erforderlich, dass sich beide gleichermasßen an der Hausarbeit beteiligen. Und keineswegs hat es irgendwas mit der Frage zu tun ob Mann im Sitzen oder Stehen pinkelt.

Nein, der Alltag wird jenseits des Alttäglichen entschieden. Was den Alltag erst erstrebenswert macht, sind die gemeinsame kleinen Höhepunkte des Alltags. Und damit meine ich nicht nur die Höhepunkte im Schlafzimmer (auch wenn die natürlich wichtig sind). Vielmehr sind es die gemeinsamen Abende auf der Couch mit einer Flasche Rotwein und einem guten Gespräch, die Kinobesuche unter der Woche, die Familienfeiern (die meist eine Menge Gesprächsstoff liefern für kommende Abende auf der Couch), die Hochzeiten von Freunden (die einen die eigene Hochzeit nochmal Revue passieren lassen) und die gelegentliche Shoppingtour durch die Innenstadt.

Als ich mich auf meine eigene Hochzeit vorbereitet habe, habe ich diverse Freunde und Bekannte nach dem Geheimnis glücklicher Beziehungen im Alltag gefragt. Die fast einhellige Antwort lautete: „Das Wichtigste ist es, für den Partner interessant zu bleiben.” Das klingt alles ein wenig so, als könnte man doch eine Art rosa Brille aufbehalten und einfach weitermachen.

Das ist natürlich ein Irrtum. Damit die Höhepunkte des Lebens sich voll entfalten können und man sie so richtig geniessen kann muss man auch durch die Tiefen durch. Es gibt sie nämlich. Die Tage, an denen man am liebsten im Bett bliebe oder sein eigenes Ding machen möchte, statt mit dem Partner neue Gardinen fürs Wohnzimmer zu kaufen oder sich endlich mal um den ganzen Versicherungskram zu kümmern.

Ich glaube, dass es hierbei wichtig ist, das Gleichgewicht zu wahren. Zu wissen, wie viel Freiraum jeder Partner in einer Beziehung braucht und wann man einfach auch mal die Zähne zusammen beissen muss und einfach mitmachen muss. Wer mehr von einer Beziehung im Alltag erlebt, sollte sich auf keine Beziehung einlassen. Wer sich mit weniger zufrieden gibt, sollte sich eine neue Beziehung suchen.

–Mann²

31 / Juli / 2007  Zweierpack  Kommentare deaktiviert
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