Kavaliere.
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„Hey du geile Schnecke, Lust mit mir war trinken zu gehen?!” Macho. Das erste was mir dazu einfällt. Möchte frau da freundlich und süß sein? Sich von ihm beschützen lassen und akzeptieren, nur ein „geiles” Objekt zu sein?
Für mich ist das unter meiner Würde und ich träume lieber von einem märchenhaften Kavalier… Groß und Schlank sollte er sein, aristokratische Gesichtszüge, gut angezogen, Anzug oder so. Starke Arme um Frau durch Unebenheiten zu tragen. Der mir Rosen schenkt, die Türe aufhält – Ladies first – die Jacke abnimmt, den Stuhl anbietet und mit leiser Stimme seriös den Sekt bestellt. Der Frau zum Tanzen auffordert und diese Kunst auch noch beherrscht. Frei nach der Weisheit, „Eine Frau ist so schön wie ihre Komplimente”, hören wir ihm errötend zu, wenn er betont, wie schön wir heute sind. Er soll ja gar nicht vor uns buckeln, nein, ein aufrechter Mann ist viel mehr wert, sondern uns nur das Gefühl vermitteln, dass wir diesen Aufwand wert sind. Ein Kavalier eben. Auch muss er nicht alles Geld für uns ausgeben, schon wenn er uns im Fast-Food-Restaurant zu einem Tisch geleitet und für uns das Essen holt, sind wir glücklich. Einer der für uns früh aufsteht und mit Blumen vor unserer Haustüre wartet. Von so einem lässt frau sich nur zu gerne verwöhnen. Doch wie viele gibt es von dieser Art noch? In Deutschland scheint das ja nicht gerade „in” zu sein. Muss man wirklich zuerst nach England fahren? Ich erinnere mich nur zu gerne an diesen Briten, mit seinem herrlichen Akzent, der so perfekt in dieses Bild passte. Aber es kann ja nicht sein das man hier so etwas nicht findet! Oder laufen diese nur nicht so auf offener Straße herum? Kennt man zuerst den Mann und merkt dann, dass er ein Kavalier ist, oder lernt man einen Kavalier kennen, der zufällig auch ein Mann ist? Wahrscheinlich sind einfach manche Männer mehr als andere ein Kavalier und den perfekten gibt es wohl gar nicht. Aber es ist wirklich schade, dass so wenige versuchen auf diese Art Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Macho-Sprüche doch öfter an Frau’s Ohr gelangen. |
Als ich 19 war hat mich mal eine junge Dame aus dem Zug wieder zurück auf den Bahnsteig gezogen, weil ich vergessen hatte ihr den Vortritt zu lassen. Eine feine Gepflogenheit, deren Bedeutung für ein ausgewogenes Miteinander mir damals nicht einleuchtete. Bei dem unfreiwilligen Rückwärtsausstieg aus dem Zug habe ich mich heftig auf den Hosenboden gesetzt und der Stoß den mein Hintern dabei abkriegte reichte in direkter Verlängerung meiner Wirbelsäule aus einen kleinen Schalter in meinem Hirn umzulegen. Zumindest war ich seither immer darauf bedacht energisch aussehenden Damen den Vortritt zu lassen.
Bei nicht ganz so energisch wirkenden Damen kommt es hin und wieder noch vor, daß ich die Regel missachte und vor ihr einsteige. Aber im Großen und Ganzen sind meine Manieren gegenüber dem weiblichen Teil der Welt deutlich besser geworden. Ich versuche daran zu denken den Damen die Jacke abzunehmen, ihnen die Türen aufzuhalten und ihnen beim Verlassen eines Restaurants auch wieder in die Jacke hineinzuhelfen. Das ich die Rechnung im Restaurant beglichen habe versteht sich dabei von selbst. Je nach Situation kann es sogar vorkommen, daß ich mich von meinem Platz erhebe wenn eine Dame den Raum betritt oder verläßt. Ich vermeide es inzwischen auch den Damen die Hand beim Grüßen zu zerdrücken. Und selbstverständlich achte ich auf eine flüssige Konversation. Statt die Dame gegenüber mit den Details meiner Arbeit vollzuquatschen und ihr Outsourcing-konzepte zu erläutern versuche ich herauszufinden was sie wirklich interessiert und versuche dann das Gespräch daran auszurichten. Kurzum ich bin ein Kavalier. Oder wäre zumindest gerne einer. Sich den Ruf des Kavaliers zu erwerben heisst nicht mehr von resoluten Frauen aus dem Zuge gezerrt zu werden oder sich entlose Vorträge über die Rolle der Frau in der Gesellschaft anhören zu müssen. Man muss nur ein wenig darauf achten, daß sich der Ruf des Kavalier-sein sich nicht auch bei den Männern herumspricht. Da wird das ganze nämlich recht häufig mit „Weichei“ übersetzt und dies ist auf gar keinen Fall wünschenswert. Ab und wünschte ich mir aber auch das die eine oder andere Dame, die soviel Wert auf Gleichberechtigung legt, mir auch mal eine Tür öffnet, die Rechnung im Lokal bezahlt und die Unterhaltung an meinen Interessen ausrichtet. Aber dafür gibt es ja Männerfreundschaften. |