Alarmzeichen.
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Ich liege im Wohnzimmer auf dem Sofa, recke aus Langeweile die Beine in die Luft und komme zu dem Schluss, dass meine Waden, von unten nach oben betrachtet, eigentlich ganz schlank aussehen. An meinem rechten Ohr bildet sich gerade eine blutende Blase, aber die Stimme wabert unaufhörlich weiter aus dem Telefonhörer. Nur dumpf dringt der Schall in meine Hörschnecke.
„… hat er schon wieder … was meinst du denn dazu, Nessy? Das ist doch alles nicht … *waberwaber* … sein rosa Polohemd …“ „Hat er sich vergangene Woche gekauft.“ Das sind sie, die Alarmzeichen. Die untrüglichen Signale, die der Verliebte zu Beginn der zart blühenden Knospe namens Liebe – oder in den ersten Wochen hormongeschwängerten, sexdurchtränkten Rauschs der Leidenschaft – nicht wahrnimmt. Die kleinen Zeichen, die wir nicht zu erkennen in der Lage sind, weil wir nur seine rehbraunen Augen sehen und seine zarten Hände auf unserem Körper spüren, auch wenn er gar nicht neben uns liegt. Durch die rosarote Brille sind am Anfang alle Polohemden rosa. Das ist okay. Am Anfang ist der Mann ja auch Prinz. Er parkt seinen weißen Schimmel vor unserer Haustür, hängt Mantel und Degen an die Garderobe und schnallt eine neue Klopapierrolle auf, wenn die alte leer ist. Das Geheimnis ist: Wenn die rosarote Brille trüb wird, dürfen die Hemden nicht rosa bleiben. Dann brauchen wir einen Mann, keinen Dandy. Einen, der sich nass rasiert, Holz hackt, tüchtig im Haushalt ist, nach Mann und nicht nach Rosenwasser riecht und im Bett keine Wünsche hat, die unseren diametral entgegen stehen. Köpft er sein Frühstücksei (Grobian! Was wird er erst mit unseren Brüsten machen?)? Faltet er sein Klopapier (Pedant! Der spült bestimmt auch Joghurtbecher, bevor er sie in den Müll schmeißt.)? Trägt er einen Siegelring (Elitärer Schönling! Sex nur zu Ravels Boléro – 2. Balkon Mitte in der Loge auf dem roten Plüschsessel!)? |
Frisch verliebt oder auch gerne schon ein bisschen länger, geht es in die erste gemeinsame Wohnung. Was aber machen, wenn auf die erste romantische Nacht in den eigenen vier Wänden das Erwachen mit Schrecken kommt? Und woran merkt man überhaupt, daß Mann sich zwar mit einem Engel gebettet hat, aber mit einem Teufel wieder aufgestanden ist?
Es ist nicht immer ganz leicht die ersten Anzeichen korrekt zu deuten. Aber ein paar kleine Hinweise gibt es schon. Der Klassiker ist natürlich das „Im Sitzen Pinkeln“ Gebot. Machen Männer zwar irgendwann sowieso automatisch, aber wenn es zur Vorschrift erhoben wird, dann sollte man sich vorsichtshalber nach einem eigenen Pissoir im Bad umsehen oder die Flucht ergreifen. Da hilft auch keine rationale, ach-so-abgeklärte Unterhaltung. Spätestens bei dieser Unterhaltung fällt der Satz „Wir sind doch schliesslich erwachsene Menschen“ und der bedeutet immer das der damit angesprochene, sich in den Augen des Redners infatil benimmt. Überhaupt sollte man bei Frauen mit abgeklärten Ideen aufpassen. Das klingt beim Kennenlernen zwar immer toll, wenn eine Frau aufgeklärt ist, an die Gleichberechtigung glaubt, ihre Rechnungen selber zahlt und Oralsex nicht für dämonisches Satanswerk hält – Aber Vorsicht: Die gleiche Sorte Frau wird auch am zweiten Tag in der gemeinsamen Wohnung einen gemeinsamen Putzplan aufhängen. Meist ein Exceldruck in Matrixform, an dem beide Partner (er mit grün und sie mit blau) jede Woche, die von ihnen erledigten Aufgaben abhaken dürfen. In der Steigerungsform hängt eine ähnlich bunte und komplexe Matrix im Bad über der Waschmaschine, die dem bisher nicht eingeweihten Herrn genau erklärt welche Symbole welche Bedeutung haben und wie er die Wäsche mit welchem Waschpulver bei wieviel Grad und wieviel Umdrehungen waschen darf. Die unausgesprochene Aufforderung hinter dieser Matrix lautet: „Mach die Wäsche!“. Brrr. Diese Sorte Frau mag zwar modern und aufgeklärt sein, aber nach spätestens zwei Jahren Ehe kämpft man hier um das nackte Überleben. Eine solche Frau wird jede Kontrolle an sich reissen und am Ende sogar das Gehalt des Mannes konfizieren und ihm ein bescheidenes Taschengeld davon gewähren, welches ihm noch nicht einmal erlaubt sich einmal im Monat ordentlich zu betrinken, um seine Frau daheim zu vergessen. |