Schwiegereltern.
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Seine eigenen Eltern kann man sich nicht aussuchen. Seine Schwiegereltern schon. Man sollte meinen, aufgrund dieser einmaligen Chance ließe eine junge Frau eine gewisse Weisheit bei der Wahl ihres Gatten walten. Zumindest nach dem ersten Glasbruch in der rosaroten Brille und der ersten Vorstellungsrunde bei den Schwiegereltern sollte frau sich kurz versichern, wo die Notbremse ist. Kleiner Funktionstest sozusagen, mehr nicht. Notbremsen-TÜV. Plakette drauf, und weiter geht’s in der Beziehung.
Überhaupt, die erste Vorstellungsrunde. Antreten bei den Schwiegereltern. Die Feuerprobe! Das ist wie mündliche Diplomprüfung, und niemand hat dir vorher gesagt, in welchem Fach und was das Thema ist. Pures Improvisieren ist angesagt – und zwar in einer Disziplin, die du nicht einmal vorher studieren durftest. Du wirst gemustert wie bei der Zuchtschau der örtlichen Mastbetriebevereinigung und ausgefragt, als seist du eine der Kandidatinnen für die Leitung der nationalen Theologenkonferenz. Denn seien wir ehrlich: Wir leben zwar im Jahr 2007, aber die Herzdame des Sohnes sollte fleißig, sittsam, häuslich und von sonnigem Gemüt sein. Sie sollte gebärfähige Hüften besitzen, zwei sichtbare Brüste vorzuweisen haben und weder zu dick noch zu dünn sein. Glaubt mir, die Begutachtung vor dem Kauf einer Muttersau läuft nicht anders ab, nur dass dabei die inneren und äußeren Werte ungenierter abgefragt werden. „Subtil“ ist für die Inaugenscheinnnahme durch die Schwiegereltern allerdings auch nicht das richtige Wort. Die fragen dann: „Und was machen Sie so beruflich? Mein Junge erzählte, Sie seien in der Soundsobranche tätig?“ Man kann antworten, was man will: Es ist nie das Richtige. Entweder verdient man zu viel Geld und ist deshalb zu eigenständig. Oder man verdient zu wenig Geld und will ausgehalten werden. Oder man muss zu viel arbeiten und kann sich zu wenig um „den Jungen“ kümmern. Oder man hat zu viel Freizeit und ist faul. Okay, es gibt auch liebe Schwiegereltern. Solche, die wirklich tolerant sind. Obwohl … wenn ich genauer darüber nachdenke … die Schlimmsten sind die, die zu ihrem Sohn sagen: „Wir tolerieren deine Freundin. Du musst schließlich mit ihr auskommen.“ Dann ist nämlich an Auskommen überhaupt nicht zu denken. Die lieben Schwiegereltern zeigen ehrliches Interesse, reden aber nicht rein. Sie helfen gerne, drängen sich aber nicht auf. Sie haben ein offenes Ohr, bohren aber nicht nach. Sie sehen ein, dass sie Eltern sind und wollen keine Freunde sein. |
Der erste Besuch bei den Schwiegereltern ist quasi der Lackmustest für eine jede Beziehung. Es ist DER Indikator, der einem Mann verrät wie er die nächsten Jahre seines Lebens gestalten wird. Entsprechend nervös ist Mann wenn es soweit ist.
Wird der Schwiegervater einen mögen? Wird er zufrieden sein mit der Wahl seiner Tochter? Reicht das monatliche Einkommen aus, um den Schwiegervater zu überzeugen, daß Mann damit seine Tochter auch ernähren kann? Reichen die eigenen handwerklichen Kenntnisse aus, um den Schwiegervater zu beeindrucken? Hat Mann genügend PS unter der Haube? Und wie sieht eigentlich mein Aktiendepot aus? Hier hilft nur gute Vorbereitung. Mann fängt also an sich zwei Monate vorher mal mit Literatur zu versorgen. Wenn der Schwiegervater Briefmarken sammelt dann kauft Mann „Australische Briefmarken der 30er Jahre“ oder „Schmetterlingsmotive aus aller Welt“. Ist er eher ein Autofreak wird es dringend Zeit nochmal Begrifflichkeiten wie PS, Hubraum oder Beschleunigung von 0 auf 100 aufzufrischen. Die Schwiegermutter ist ein wenig einfacher. Meistens geht es nur darum alles zu essen was die Schwiegermutter auf den Tisch stellt, dabei fleißig ihre Kochkünste loben und vielleicht anmerken, daß Mann jetzt endlich weiß wo die Lieblingsehefrau so toll kochen gelernt hat. Sollte man allerdings nur machen, wenn es einigermassen der Wahrheit entspricht. Ansonsten hilft es immer wenn man bereit ist ihr auch mal eine schwere Kiste vom Dachboden zu holen und die Hecke zu schneiden. Sollte man noch einen Trumpf brauchen, empfiehlt es sich Babybilder von sich selbst dabei zu haben. Den letzten Trumpf den Mann spielen kann ist die Babykarte. Mann deutet einfach an, daß man kinderlieb ist und sich Hoffnung macht die Schwiegermutter auch bald zur Großmutter zu machen. Ich kenne keine Schwiegermutter, die da widerstehen könnte. Spätestens hier an dieser Stelle sollte man Schwiegervater und Schwiegermutter soweit haben, das sie vor Glück weinend den Schwiegersohn in ihre Arme schliessen und der Tochter ermahnende Worte zumurmeln „diesen guten Mann ja anständig zu behandeln und ihn ja ausreichend zu bemuttern“. Wer das geschafft hat, dem ist ein stressfreies Familienleben sicher. Und nicht nur das. Wer das geschafft hat, dem kann es sogar passieren, daß die Schwiergeltern sich bei der Scheidung ein paar Jahre später auf die Seite ihres Schwiegersohnes schlagen statt auf die Seite ihrer Tochter. |