Selbstständigkeit
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Der Satz, mit dem ein Mann sich am meisten erniedrigt, ist: „Es ist aber eine Einliegerwohnung mit eigenem Eingang.“
Mit Ende 20 noch bei Mutti zu wohnen, ist indiskutabel. Es ist der Ober-Abtörner. Ist es schon mit Mitte 20. Schlimmer als Feinripp mit Eingriff, auch wenn beides oft miteinander einhergeht. Doch die Tatsache, das Dasein im Hotel Mama auch noch rechtfertigen zu wollen, nimmt jedem Mann den letzten Funken seiner Würde. Männer, die bei Mutti wohnen, sind nicht selbstständig, egal ob Einliegerwohnung oder nicht. Wenn Männer bei Mutti wohnen, haben sie den vollen Service gebucht, auch wenn sie es nicht zugeben möchten. Männer, die bei Mutti wohnen, waschen nicht selbst, kochen nicht selbst und putzen nur dann selbst, wenn ihnen die Spuren des Damenbesuchs von vergangener Nacht peinlich sind. Ich habe noch keine Ausnahme erlebt, was daran liegen mag, dass es keine Ausnahme gibt. Anderslautende Erklärungen wie „Meist wasche ich aber schon selbst“ zerfallen bei näherem Nachfragen zu Staub. Immer. Aber auch Männer, die nicht bei Mutti wohnen, können unselbstständig sein. Das sind diese Exemplare, deren Freundin als klassischer Mutti-Ersatz herhält (und dies meist mit völliger Hingabe tut, was der eigentliche Skandal ist). Mutti II kocht abends das Essen, wenn Schatzl heim kommt; eigene Berufstätigkeit stellt kein Hindernis dar – im Gegenteil, denn der Job von Mutti II ist wesentlich weniger fordernd als der ihres Paschas. Per se. Ist doch klar. Mutti II macht die Wäsche, weil Schatzl es nicht kann, nicht gewillt ist, es zu lernen, aber auch, weil er dabei ja bestimmt so viel falsch macht, dass sie es lieber selbst in die Hand nimmt. Mutti II besorgt auch die Kondome, damit kein Schatzl junior entsteht, und hat alles rund um den Bausparvertrag im Griff. Ein ebensolches Ärgernis wie unselbstständige Männer sind allerdings unselbstständige Frauen. In dem Zusammenhang möchte ich allerdings zwischen dem Vortäuschen von Unselbstständigkeit (legitim) und tatsächlicher Unselbstständigkeit unterscheiden (nicht legitim). Vorgetäuschte Unselbstständigkeit, gepaart mit einem Bambi-Blick dient nämlich dazu, den Mann des Herzens zu ködern, indem er uns bei Dingen behilflich ist, die wir gut selbst erledigen können. Oder sie dient dazu, ungeliebte Aufgaben an ihn abzutreten und dem Geliebten dabei das Gefühl zu geben, ein Held zu sein. Tatsächliche Unselbstständigkeit aber nervt. Zu einem Reifenwechsel und einfachen, handwerklichen Tätigkeiten sollte eine Frau schon in der Lage sein. Ob sie von dieser Fähigkeit tatsächlich gebraucht macht, bleibt ihr überlassen. |
Wenn Frauen den Mann ihrer Träume mit großen Rehaugen anschauen und ihm die Bohrmaschine hinhalten, weil sie das Loch nicht in die Wand kriegen, dann ist das süß. Schliesslich sind Männer dafür da. Wenn das elfengleiche Weibchen ihren Kerl vor dem Weggehen fragt: „Kann ich das so anziehen?“ dann ist das manchmal vielleicht nervig, aber liegt noch im Rahmen dessen was Männer bereit sind zu akzeptieren. In die gleiche Kategorie fallen auch das Öffnen von Weinflaschen, das Waschen des Autos, das Aufbauen von Möbeln, das Aufräumen des Kellers und das Tragen schwerer Kisten. Das sind einfach die Aufgaben des Kerls.
Und jeder Mann, der nicht als Waschlappen und Weichei dastehen möchte tut diese Dinge auch ohne mit der Wimper zu zucken. Eher noch im Gegenteil. Männer holen sich aus diesen Tätigkeiten und dem anschliessend folgenden Lob ihre Selbstbestätigung. Männer die das nicht hinkriegen sind unselbstständig und per definition keine Männer. So ist das nämlich. Und unselbstständige Männer, die sich allein nicht ihre Klamotten aus dem Schrank suchen können, keinen Kaffee kochen können, nicht wissen wie man Rührei macht und keinen einzigen Krawattenknoten binden können sind einfach jämmerlich und erbärmlich. Solche Männer kriegen nie eine Frau ab. Zumindest nicht für länger. Jede Frau wird Reiß-Aus-Nehmen wenn sie die Schwachstellen eines solchen Mannes entdeckt. Ausser natürlich sie ist charakterlich ein wenig bemutternd und freut sich darauf den Rest ihres Lebens das Kind in ihrem Mann zu verhätscheln. Soll es ja geben. Genauso ätzend sind übrigens auch unselbstständige Frauen. Sie sind nur ein bisschen schwerer zu erkennen. Hauptsächlich weil sie mit ihrem Bambiblick auch noch die größte Unselbstständigkeit verschleiern können. Aber irgendwann merkt auch der letzte Mann, daß diese Damen nicht allein einkaufen gehen können, immer die falschen Sachen anschleppen, kein Geburtstagsgeschenk verpacken können und selbst Kochwäsche in der Waschmaschine noch Schaden nimmt. Selbstverständlich muss nicht jeder immer alles können. Aber es sollte eine Grundtendenz erkennbar sein. Und wer beim Lesen dieses Beitrages sich selbst wiedererkannt hat, dem empfehl ich dringend ein paar einfache Grundkurse: „Behördengänge leicht gemacht!“; „Haushaltsführung für Anfänger!“; „Wie koche ich ein Ei!“; „Frauen und Männer – Unterschiede und Gemeinsamkeiten!“. Nach erfolgreichem Abschluss dieser und ähnlicher Kurse klappt es auch mit dem Nachbarn. |