Weichei. Macho. Mann.
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Er nippt an seinem Bier, beugt sich zu mir über den Tisch und sieht mir in die Augen. Nur kurz hält er inne, dann holt er Luft und beginnt. „Ich sag‘ dir jetzt mal was, Nessy. Ihr Frauen seid alle gleich. Ihr fahrt alle auf dieselben Typen ab.“ Er schweigt, um die Spannung zu erhöhen. Dann: „Warum steht ihr auf Arschlöcher? Warum kriegen die Typen, die euch nach Strich und Faden betrügen und einfach so abhauen – warum kriegen die immer eine ab? Wir Netten, wir schenken euch Blumen, wir halten Euch die Tür auf und bringen euch Binden aus dem Supermarkt mit, wenn ihr eure Tage habt. Und was ist? Wir existieren gar nicht für euch.“ Er macht eine Pause und will sich bedeutungsvoll zurücklehnen, bemerkt aber rechtzeitig, dass er auf einem Bierbänkchen sitzt. Er beugt sich erneut vor. „Erklär’s mir bitte. Ich begreife es nicht.“ Er erwartet eine Erklärung, die Lösung seines jahrelangen Singledaseins.
„Tja, ähm …“, setze ich an, und möchte antworten, dass nichts von dem stimmt, was er sagt. Dass Frauen es toll finden, wenn Männer ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen und dazu noch Rilke rezitieren. Ich meine, sie tun es ja auch. Frauen lieben es, verwöhnt zu werden, nur … „Weißt Du“, beginne ich und streiche mir mit dem Zeigefinger ein Haar aus dem Mundwinkel. „Du bist so glatt.“ Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen. „Männer müssen Ecken und Kanten haben. Etwas, an dem man sich reiben kann.“ Mir fällt auf, was für schöne, lange Wimpern er hat. „Ich meine, ihr sollt keine Arschlöcher sein. Aber so ein bisschen Chauvi ist schon okay.“ „Chauvi“, echot er und klemmt seine Hände unter die Oberschenkel. „Du willst also fleckiges Feinripp und Kratzen am Sack.“ Ich beginne, das Etikett von meiner Mädchenbierflasche abzuknibbeln. „Nee“, sage ich und ziehe das E lang, um Zeit zu gewinnen. „So auch nicht. Männlich halt. Ich muss mich ein bisschen über einen Mann aufregen und mich über ihn lustig machen können. Ihn mit etwas aufziehen können. Wegen Carrera-Bahn im Keller und Männerabenden und so. Verstehst du?“ „Nee“, sagt er, und sein E ist kurz, viel kürzer als meins. „Ich glaube nämlich, ihr wisst selbst nicht, was ihr wollt. Ihr wollt Kuschelrock und Heavy Metal in einem.“ Er schweigt. Ich sehe von meiner Flasche auf und blicke ihn an. Mir fällt sein Dreitagebart auf. Verwegen, denke ich. „Ich versteh‘ Euch nicht, echt nicht“, sagt er. „Besser kann ich es nicht erklären. Männer müssen halt Machos sein. Nicht zu viel, aber ein bisschen.“ Mir kommt plötzlich die Idee, ihn zu küssen. Er greift nach seinem Bierdeckel und dreht ihn für einen Moment zwischen den Händen. Dann hält er ihn winkend in die Luft. „Zahlen!“ ruft er. |
Der gemeine Mann zerfällt in zwei Arten. Das Weichei und den Macho. Sowohl der reine Macho als auch das reine Weichei sind im Prinzip unausstehlich. Der eine weil er nichts auf die Reihe kriegt und der andere weil er zwar alles kann, aber nur wenn er dabei ein Weibchen beeindrucken kann. Was soll man mit jemandem anfangen, der den Müll nur runtertragen kann wenn er dabei wie Tarzan aussehen darf.
Gott sei es gelobt gibt es zwischen den beiden Purformen beliebig viele Variationen und Schattierungen. Die Zwischenstufen reichen vom reinen Weichei über das Muttersöhnchen, den Frauenversteher und World-Of-Warcraft-Zocker, Metrosexuellen bis zu den Freestyle-Rappern, Skateboardfahrern, Bodybuilder, Unterhosenmodels und Hardcoremachos. Jede Spezialisierung hat ihre Vor- und Nachteile. Auf dem Gen-weiterverteilungsmarkt haben fast alle nur Nachteile. Warum? Wer so spezialisiert und manchmal auch speziell ist, der kriegt auch nur noch Nischenprodukte auf der weiblichen Seite ab. Frauen, die mit 30 noch Zahnspange tragen, unter 1,60 m klein sind, über 2,00 m groß sind, unter feuchter Aussprache leiden oder anderweitig derartig eingeschränkt sind, daß sie gezwungen sind ihre Ansprüche an den Gegenüber zu senken. Schade eigentlich, weil die meisten davon wirklich intelligent und nett sind und was Besseres verdient hätten. Wirklich erfolgreich im Frauenmarkt dürften wohl nur die Herren zwischen Metrosexuell und Freestylerappern sein. Erstens ist das Marktsegment kompatibler Frauen beliebig groß und zweitens stehen Frauen auf solche Typen. Warum ist mir lange nicht klar gewesen. Seit ich verheiratet bin verstehe ich es. Frauen möchten keine Typen, die Ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen. Sie hätten gern jemand, der Ihnen Wünsche erfüllt, von denen sie selbst bis zu dem Moment noch gar nichts geahnt haben. Dann machen Frauen auch ohne zu murren den Abwasch. Ansonsten hätten sie gern jemand der auch noch ein eigenes Leben hat. Dazu gehört ein gewisses Maß an Selbstständigkeit bei ihrer Terminplanung und Freundeswahl. „Darf ich heute Abend zum Stammtisch gehen?“ ist einfach eine sehr unmännliche Frage. Noch schlimmer sind die Herren, die gar keinen Stammtisch haben. Im Übrigen zählen Hobbies wie „Fussballschauen und an den Eiern Kratzen“; „Computer-Zocken“ und „Porno-Sammeln“ nicht zur Definition von „ein eigenes Leben haben“. |