Heimbegrünung
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Schlägt ein Mann vor, etwas über das Thema Heimbegrünung zu schreiben, ist er entweder hormonell unstimmig, Ikebana-Kreismeister oder quadratisch. Aber nun gut. Wenn ich sage „Das nächste Thema darfst du vorschlagen“, muss ich da wohl durch. Im Übrigen – Gedankeneinschub Anfang – ist es ein grundsätzlicher Fehler, im Zusammenleben mit Männern zu sagen „Entscheide du“. Denn wenn sie entscheiden dürfen, entscheiden sie unlogisch, bauchgesteuert und ohne den Gedanken der Nachhaltigkeit zu verfolgen. Sie kaufen im Supermarkt den teuersten Pudding, nur weil ein Verzehrer dieses Puddings in der Werbung die vollbusige Kassiererin verführt. Sie kaufen komplette Dolby-Surround-Anlagen, nur weil der CD-Player kaputt ist. Oder sie lassen das Auto waschen, bügeln und mit Handwachs pflegen, weil frau angedeutet hat, es könne mal wieder ausgesaugt werden. Wie dem auch sei – Gedankeneinschub Ende -, zurück zum Ausgangsgedanken: Pflanzen.
Ich besitze Pflanzen. Sie stehen in meinem Wohnzimmer, in meiner Küche, in meinem Arbeits- und sogar in meinem Schlafzimmer, produzieren Sauerstoff und warten ansonsten darauf, dass jemand mit ihnen spricht, was ich ihnen jedoch hartnäckig verweigere. Sollen sie sich erstmal Ohren anschaffen, dann sage ich vielleicht etwas. Möglicherweise Dinge wie „Dreh dich nicht immer so zur Sonne, du kriegst noch einen krummen Rücken“ oder „Solange du deine Zweige über meine Fensterbank rankst, wird getrunken, was in die Kanne kommt“. Ich kaufe immer mal wieder neues Grünzeug, wenn das vorhandene zu knistern beginnt, Blätter abwirft oder einen unanständigen Geruch entwickelt. Die hübschen tun dies leider in schöner Regelmäßigkeit, die hässlichen halten sich wie Unkraut in den Fugen der Garageneinfahrt: Sie sind nicht kaputt zu kriegen. Selbst dauerhafte, wohlmeinende Vernachlässigung bringt sie nicht dazu, sich aus dem Diesseits zu verabschieden und ihren Weg in eine Welt jenseits von Blühdünger und Gießanzeiger anzutreten. Stattdessen lassen sie ihre kleinen, schrumpeligen Blätter hängen, sehen mich an und hauchen mit letzter Kraft, aber zuckersüß „Gieß mich!“ Ja, wer bin ich denn, dass ich ihnen widerstehen und sie bewusst sterben lassen kann? Ich habe – wie übrigens mancher Mann auch – ein Herz aus Gold. Lieber fahre ich in den Urlaub und vergesse, den Nachbarn Bescheid zu sagen. Aber selbst dann rufe ich nach zwei Wochen an, gequält von Gewissensbissen und nach nächtelangem Ringen zwischen Es und Über-Ich, und bitte, nach dem Rechten zu sehen. Denn auch wenn sie hässlich sind: Es sind meine Pflanzen, und ich hab sie gern. |
Der erste Grundsatz männlicher Domizileinrichtung lautet: „Eine Männerwohnung besteht aus praktischen und einfachen Möbeln und verzichtet auf alles Überflüssige.“. Der zweite Grundsatz männlicher Domizileinrichtung lautet: „Chrom und Schwarz sind nie ganz out.“.
Eigentlich könnte ich diesen Beitrag jetzt beenden. Alles wichtige ist gesagt. Ausser vielleicht, daß ich zwar immer versucht habe nach den obigen Grundsätzen zu leben, aber irgendwann bei einem schwedischen Möbel-Selbstbau-Markt eine kleine grüne Palme gekauft habe. Es handelte sich dabei um eine Palme der Sorte „A-libi Palme“ und ich verbrachte den ersten Monat damit die seltsame giftgrüne, künstliche Blattfarbe zu bewundern, die Pflanze regelmäßig zu giessen und zu düngen und sie stolz diversen weiblichen Besucherinnen zu präsentieren – in der Hoffnung damit ein: „Oh wie toll, ein Mann mit grünem Daumen“ zu provozieren. Ich hatte die Vermutung gehegt, daß mich eine Zimmerpflanze als sozial kompetenten und emotional ausgeglichenen Mann kennzeichnet und dies meine Wertung auf der Liste potentielle Nachwuchserzeuger bei den Damen verbessert. Dem war nicht so. Als die Pflanze dann auch noch, aus mir unerfindlichen Gründen anfing gelblich-grau-braune Blätter zu bekommen war meine Verwirrung komplett. Um den qualitativen Verlust auszugleichen setzte ich auf Quantität und erwarb bei oben erwähnten Möbelhaus noch zwei weitere Pflanzen. Einen Fikus und eine zweite Palme (allerdings höher gewachsen als die erste). Einige meiner Freunde verwechselten das Ganze mit Pflanzenliebe und schenkten mir fortan Gummibäume, Kakteen und Goldregen. Bei den Damen hat das nichts gebracht. Als erstes starb der Fikus. Dann der Gummibaum. Der Goldregen wurde einer Zimmerrenovierung geopfert. Am Ende blieb nur jene erste A-Libi Palme über, die ich von Anfang an besessen hatte. Kurioserweise wächst einem so ein Gewächs irgendwann ans Herz. Die Pflanze ist jetzt das Dritte oder Vierte Mal mit mir umgezogen. Manchmal sah sie sehr traurig aus und manchmal echt fit. Je nach Stellplatz, Giessregelmäßigkeit und Düngeranwendung. Aber selbst wenn die Pflanze mal wieder aussieht wie ein alter, mehrfach aufgebrühter Teebeutel bringe ich es nicht übers Herz ihn zu ersetzen. Ich hab es ernsthaft versucht. Ich habe es bis in das Gartencenter geschafft, um eine neue Pflanze auszusuchen, um die alte zu ersetzen und bin dann doch wieder gegangen. Chrom und Schwarz sind längst verschwunden aus meinem Domizil. Aber ich brings einfach nicht übers Herz. |