Sommer.

Sommer – toll. Schönes Wetter, blauer Himmel, gute Laune. Wenn, ja wenn ich nicht arbeiten müsste. „Kind“, mahnt meint Vater, „musst auch mal ein bisschen in die Sonne gehen, damit Du Farbe kriegst.“ Ja, Papa. Aber wann denn bitte? Morgens vor dem Weg ins Büro, zwischen sieben und acht? Oder abends, wenn ich heimkomme, nach 19 Uhr? „Dann leg Dich halt am Wochenende auf die Wiese.“ Welche Wiese? Meinst Du dieses von Hundeexkrementen weggeätzte Stück Gras vor meiner Haustür? Nein, Papa, in der Großstadt in einer Wohnung ohne Balkon ist es als berufstätiger Mensch nicht einfach, braun zu werden.

Überhaupt werde ich nie braun. Ich werde erst rot, dann orange, dann wieder weiß, aber nie braun. Dabei macht braun schlank, insofern wäre es extrem toll, wenn ich braun würde.

Eine andere Sache neben dem Braunwerden ist ja die Kleidung. Als etwas pummeliger Mensch ist es nicht leicht, sich im Sommer hübsch anzuziehen. Schlechte Beispiele laufen genug herum. Nicht, dass es mir nicht möglich wäre, chronische Bindegewebsschwäche in Kombination mit von Dehnungsstreifen gezierten Hüften und einem Bauchringel in entsprechend spärlicher Mode vorzuführen – besitzen tue ich dies schließlich alles. Aber Bescheidenheit ist eine Zier; ich bin der Meinung, dass Frau ebenso wie Mann nicht alles zur Schau stellen muss, was sie ihr Eigen nennt.

Dann die Schuhfrage. Darf man als Frau Sandalen im Büro tragen? Als Mann keinesfalls, das ist mir schon klar, aber als Frau? Vielleicht zumindest dann, wenn es in geschlossenen Schuhen nicht mehr auszuhalten ist, weil sich die Füße auf die Größe von Kamelhufen ausgedehnt haben und gleich zu explodieren drohen. Natürlich, zum Rock kann frau in jedem Fall Sandalen tragen. Nur was ist, wenn frau keinen Rock tragen kann, weil sie – sagen wir es beschönigend – über ausgeprägt muskulöse Sportlerwaden mit dezent subkutan eingelagertem Fettgewebe verfügt? Sandalen zur Hose? Oder dann lieber doch Ballerinas oder Mokkasins?

Ein Vorteil im Sommer ist in jedem Fall das Eis. Mein Favorit: Spaghetti-Eis. Das ist die weiße Bluse unter den Eisen: Passt immer, schmeckt immer. Ein weiterer Vorteil guten Wetters: der Biergarten, wobei der Verzehr von Eis nicht in zeitliche Nähe mit dem Genuss eines kühlen Radlers gelegt werden sollte. Das führt zu unschönen gastroenterologischen Verstimmungen.

Schwierig, die Sache mit dem Sommer. Schön aber auch. Ich freue mich schon auf meinen ersten Freibadbesuch. Dasitzen, sich bräunen und durch die Sonnenbrille die Leute beobachten.

–nessy

Der Frühlingsanfang liegt zwar erst vier Wochen zurück, aber das Wetter fühlt sich schon ganz eindeutig sommerlich an. Eine Erkenntnis, die mich wie jedes Jahr betrübt auf meinen Bauchansatz blicken läßt – in der stillen Hoffnung er könnte über Nacht verschwunden sein.

Etwa zwei Drittel des Jahres macht mir das überhaupt nix aus. Nur wenn es Sommer wird und die Temparaturen nach luftiger Bekleidung schreien überkommt mich das schlechte Gewissen. Dann erinnere ich mich ein wenig wehmütig an die guten Vorsätzen des letzten Sommers – so wie man manchmal alte Fotos von sich selbst betrachtet.

Mit einem leichten Seufzen akzeptiere ich dann meinen eigentlich inakzeptablen Body-Mass-Index und öffne den Kleiderschrank, in der wagen Hoffnung etwas zu finden das dem Klima angemessen ist und meiner Figur gerecht wird. Nun, die Kleider werden meiner Figur alle gerecht. Sie zeigen den Bauchansatz (der im Prinzip schon lange nicht mehr Ansatz heissen dürfte) in seiner vollen Form und Größe.

Was bleibt mir also Anderes übrig, als mich einen Nachmittag lang durch die Innenstadt zu quälen und neue Sommerkleidung zu kaufen? Nichts! In den Geschäften hängen jede Menge netter Sommer-Herren-Bekleidungsstücke (manche auch nicht so hübsch), aber leider nix was das überflüssige Körperfett verstecken würde. Also liebäugel ich statt dessen mit etwas weiteren Oberhemden, die man dann leger und locker, bis zum dritten Kragenknopf offen tragen kann.

Der eindeutige Vorteil dieser Methodik ist, das man diese Hemden meist als Restposten der Wintermode reduziert erwerben kann. Und durch den dicken Baumwollstoff sieht man auch eventuelle Schweißflecken nicht so genau.

Viel schlimmer wird es in der Bademodenabteilung. Hier hilft nur eines. Eine möglichst farblich, wie auch im Schnitt, krasse Badehose zu erwerben, die den ungewarnten Zuschauer von den blassen Beinen, dem leichten Bauchansatz und dem spärlichen Brusthaar ablenkt.

Ist man dann wieder zu Hause und begutachtet die gerade gekauften Stücke, drängt sich einem die Erkenntnis auf, daß man sich den Einkauf hätte sparen können. Schliesslich hängt der ganze Schrank mit dem Zeug voll.

Und so werd ich wohl noch einen Sommer lang leiden müssen. Aber nächstes Jahr habe ich dann endlich meinen durchtrainierten, fettfreien Körper. Das hab ich mir jedenfalls fest vorgenommen.

–Mann²

16 / April / 2007  Zweierpack 
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