Entscheidungen.
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Schon bemerkt? Wir treffen ständig Entscheidungen, immerzu. Ihr habt Euch entschieden, meinen Beitrag zu lesen und entscheidet Euch innerhalb der nächsten Sätze, ob Ihr ihn weiterlesen wollt oder ob der Beginn so langweilig ist, dass Ihr lieber arbeitet, als Euch diesen langatmigen Sülz anzutun.
Schon morgens geht es los mit den Entscheidungen. Direkt aufstehen oder noch ein bisschen liegen bleiben? Erst frühstücken oder erst Sex? Katzenwäsche oder gründlich? Käse oder Marmelade? Und natürlich: Was soll ich anziehen? Diese Entscheidung ist keinesfalls trivial, denn sie beinhaltet die Beantwortung zahlreicher Fragen: Wie liegen meine Haare heute? Wenn meine Haare schlecht liegen, muss ich mit meinem tiefen Dekolleté davon ablenken. Habe ich Pickel? Wenn ja, kann ich kein Rosa oder Hellblau anziehen – das schmeichelt nicht dem Teint. Muss ich heute mit meinem Aussehen oder mit meinem Geist beeindrucken? Mitunter geschieht es auch, dass die Kleidung, die mich gestern noch ausgesprochen schlank gemacht hat, plötzlich aufträgt. Doch egal, was ich anhabe, beim Ausgehen ist es immer dasselbe: Erst blättere ich lange in der Karte, weil ich mich nicht entscheiden kann, aber wenn das Essen kommt, möchte ich lieber das, was mein Tischnachbar hat. Warum ist das so? Dann gibt es noch die schwerwiegenden Entscheidungen im Leben. Die, die Weichen stellen. Die weh tun. Die Mut benötigen. Die man für andere treffen muss. Zu denen man stehen muss, auch wenn sie unbeliebt sind. Diese Entscheidungen benötigen Zeit. Manchmal ist es zu viel Zeit, und es ist zu spät, wenn sie gefallen sind. Doch meist kommt die Entscheidung gerade recht. Es scheint eine innere Uhr für wichtige Entscheidungen zu geben – solange man sie aufschiebt, ist der richtige Moment noch nicht gekommen. Erst, wenn sich ein kleiner Hebel umlegt, hat man plötzlich den Elan, sich festzulegen. Im gleichen Moment möchte man nicht glauben, dass es so lange gedauert hat, was so schwierig daran war, diese und keine andere Entscheidung zu treffen – war es doch seit jeher offenbar, dass es die richtige ist. Ob man bei einer Entscheidung die Gefühle ausschalten kann? Ich glaube nicht. Denn komisch ist, dass der erste Gedanke meist der richtige ist. Ohne Verstand, ohne Überlegen. Unser Herz weiß es eben meist besser – und wenn nicht, können wir uns auch nicht spontan entscheiden. |
Ich habe das ganze Wochenende überlegt, wie ich diesen Beitrag wohl beginnen könnte. Hab mich auf die Klischees des entscheidungsfreudigen Mannes besonnen, wollte die unentschlossene Frau anführen und beide Klischees mit vielen bunten Beispielen unterlegen. Am Ende konnte ich mich aber nicht wirklich für eine der vielen überlegten Varianten entscheiden.
Darum folgt hier jetzt ganz nüchtern das Bekenntnis: Ich bin ein Mann und manchmal auch unentschlossen. Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen dramatisch und erinnert mich an diesem Montagmorgen ein wenig an die melancholischen Bekenntnisse anonymer Alkoholiker („Mein Name ist John und ich bin seit 14 Tagen trocken“). Aber im Gegensatz zu den AA hab ich keine Hoffnung auf dauerhafte Heilung. „Mein Name ist Mann² und ich bin seit 2 Tagen fest entschlossen“ klingt einfach blöd. Irgendwann geht das aber wieder von alleine weg und kommt auch irgendwann einfach ungebeten wieder. Dabei bin ich sonst ein eher entschiedener Mensch. Dauernd entscheide ich Sachen. Wichtige und Unwichtige. Soll ich heute noch einkaufen gehen, oder nicht? Rosenkohl oder Blattspinat? Soll ich lieber noch ein Unterhaltungsbuch aus dem Terry-Pratchett-Eck lesen oder doch endlich mal wieder was hochgeistiges? Soll ich mein Geld in diese oder in jene Altersabsicherung investieren? Lauter Entscheidungen. Die meisten sind richtig. Manche sind falsch. Ich würd sagen so 80:20. Aber seit ein paar Tagen bin ich sehr unentschlossen. Weil ich mich nicht entscheiden kann, was ich essen möchte verzichte ich ganz darauf. Weil ich nicht weiss was ich mit meiner Freizeit anfangen möchte spiele ich ein beliebiges Autorennspiel auf dem Gameboy. Manchmal kann ich mich nicht einmal entscheiden aufs Klo zu gehen obwohl die Blase drückt. Dann warte ich einfach auf den Moment in dem mich die Natur zwingt zu gehen – bevor es zu spät ist. Neulich bin ich zwei Stunden durch die Innenstadt gelaufen auf der Suche nach einem Restaurant – und konnte mich einfach nicht entscheiden. Irgendwann nervt es mich ja selber. Dann ärger ich mich über meine Unentschiedenheit und beschließe sogleich etwas dagegen zu Unternehmen. Nur was? Einfach mal an die frische Luft oder doch einfach mal die liegengebliebene Hausarbeit anpacken? Ich weiss es nicht. Nur zu einem bin ich fest entschlossen. Nächste Woche bin ich wieder ein fest entschlossener Mann, der genau weiß wohin er will. Jawoll. Genau. Auf jeden Fall. |