Multitasking.

Fußball gucken und dabei die Frau zum Bierholen schicken. Einarmig einparken und den Ellbogen aus dem Fenster hängen lassen. Eisen biegen und der Mineraldrink-Uschi schöne Augen machen. In der „Praline“ blättern und die Palme wedeln. Schnitzel essen und dabei an Brüste denken. Wer sagt, dass Männer nicht zwei Dinge gleichzeitig tun können, hat sich noch nicht mit ihnen auseinander gesetzt.

Frauen sagt man im Allgemeinen nach, sie seien multitaskingsfähiger, weil ihre Gehirnhälften besser vernetzt sind. Dabei ist die weibliche Multitaskingfähigkeit nur lauter als die männliche: Sie wird nämlich von eine Unmenge an Worten begleitet.

Frauen sind in jeglicher Situation in der Lage zu reden. Frauen telefonieren und bügeln. Sie schwatzen mit der Freundin und bezahlen ihre Schuhe. Wenn meine Schwiegermutter anruft, kann ich sogar nebenbei bloggen. Die zentralen Satzfetzen, die mein Gehirn während des Schreibens aus ihren Erzählungen herausfiltert, reichen locker aus, um die Geschichte in einen Gesamtzusammenhang zu bringen – zumal ich sie meist schon kenne und mein Sprachzentrum nur das, was wirklich neu ist, erwischen muss.

Mit dem Reden ist das bei Frauen nämlich so: Es läuft in einem Parallelhirn ab. Während Männer viele ihrer Lebensfunktionen ins Stammhirn abgeschoben haben, besitzen Frauen ein Parallelhirn, in dem soziale Prozesse stattfinden. Redet eine Frau, sind in ihrem Großhirn noch 100 Prozent der Ressourcen frei, da nur der Arbeitsspeicher im Parallelhirn belastet wird. Zugegeben, bei manchen meiner Geschlechtsgenossinnen geht reden und zuhören nicht automatisch mit verstehen einher; es scheint dann etwas mit der Schnittstelle zum Textverarbeitungsprogramm nicht zu funktionieren.

Männer hingegen können während anderer Tätigkeiten Sprache nur schwer verarbeiten. Denken wir an folgende Szene: Er, im abgedunkelten Schlafzimmer vors Computertischchen gebeugt, räumt mit seiner Bazooka gerade die Alien Arena auf und bewahrt die Welt so vor einer extraterrestrischen Invasion. Sie, leicht gelangweilt und liebebedürftig, kommt hereingeschlichen, krault ihm den Nacken und sagt: „Du, sag mal, hast du nicht auch den Eindruck, dass Peter und Sabine mehr miteinander reden sollten? Seit der Kleine da ist, kommt es mir so vor, als lebten sie nur noch nebeneinander her.“ Mehr als ein Laut, der entfernt an einen brünftigen Hirsch erinnert, bringt ein Mann in solch einer Situation einfach nicht zustande! Er kann es nicht. Kein Arbeitsspeicher mehr frei. CPU-Auslastung 100 Prozent.

Dafür steuert sein linker Arm stammhirngeleitet und mit GPS-Zielergfassung die Chipstüte an, die neben dem Monitor steht. Ohne Seitenblick, ohne Krümeln, ohne ein Zögern mit der Waffe führt er die Nahrung zum Mund. Beeindruckend für uns Frauen.

–nessy

Männer sind ja angeblich nicht so multitasking. Angeblich denken Männer sequentiell und können immer nur eine Sache nach der anderen abarbeiten. Ist natürlich alles Quatsch. Männer können mehr als man ihnen manchmal zutraut.

Ich kann zum Beispiel auf dem Klo hocken, mein Geschäft verrichten dabei ein Buch lesen und einen Blick auf die Uhr haben – weil meine bessere Hälfte nämlich unweigerlich nach einer Viertelstunde an die Tür hämmert, um sich zu erkundigen wann ich wieder rauskomme. Sie ist nämlich nicht multitaskingfähig. Jedenfalls kann sie nicht den Abwasch machen und gleichzeitig den Harndrang unterdrücken.

Natürlich ist Lesen auf dem Klo nur eine meiner leichteren Übungen. Ich kann in Gedanken meine Arbeit für den morgigen Tag planen und gleichzeitig die Unterhaltung mit meiner Frau an den richtigen Stellen durch Kopf-Schütteln oder das Einwerfen kluger Bemerkungen („Ja, natürlich mein Schatz“; „Selbstverständlich mein Schatz“; „Auf jeden Fall meine Beste“; „Ich stimme dir völlig zu mein Liebling“) passend würzen und damit unterwürfige Aufmerksamkeit signalisieren.

Natürlich kann ich nicht Radio hören, Fernsehen, ein Buch lesen, einen Kuchen backen und mit der besten Freundin die neue Frühlingsmode diskutieren – zumindest nicht gleichzeitig. Ich bin durchaus zu den einzelnen Tätigkeiten imstande (ausser vielleicht die Sache mit der Frühlingsmode).

Die eigentliche Frage ist ja aber auch nicht „Warum können Männer das nicht?“ sondern „Warum in Gottes Namen sollte man sowas überhaupt können?“. Mir ist bis heute nicht ganz klar wozu das gut sein soll.

Auf dem Klo lesen können ist praktisch. Und am Strand schönen Mädchen nachschauen während man der eigenen Frau Komplimente macht ist eine bemerkenswerte und für den Mann sehr hilfreiche Fähigkeit. In beiden Fällen kann ich einen deutlichen Mehrwert erkennen.

Ich kann auch anerkennen, daß Frauen beim Sockenstricken oder Bügeln nebenbei Fernsehen möchten. Klarer erkennbarer Mehrwert. Es erleichtert die Hausarbeit und so.

Aber bei einem romantischen Kuschelfrühstück im Bett plötzlich zu bemerken, daß man die Decke mal wieder streichen müsste ist nicht nur eine sinnbefreite Fähigkeit sondern sogar ein gravierender Charakterfehler.

Fazit: Männer sind durchaus Multi-tasking-fähig. Und zwar in den richtigen Momenten. Frauen sind noch viel multi-tasking-fähiger, bedauerlicherweise mehr als gut für sie und ihre Umwelt ist.

–Mann²

26 / März / 2007  Zweierpack 
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