Internationale Küche.
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Es war auf dem Yangtze. Das Schiff war geräumig, die Kabinen nicht so sehr, dafür aber war das Essen gut. Lotuswurzeln, Bambussprossen, stacheliger Fisch in süß-sauer Soße, geröstete Erdnüsse, dazu Xintao-Bier. Zumindest in den ersten Tagen mundete es köstlich.
Mit jedem gemeinsam eingenommen Mahl wurde die Zahl der Teilnehmer jedoch geringer. Auf die freundliche Nachfrage der Kellnerin, ob denn mit dem abwesenden Partner alles in Ordnung sei, murmelten besorgte Ehegatten und –gattinnen etwas von „Magenverstimmung“ und wehrten vehement das Angebot ab, etwas von den Mahlzeiten aufs Zimmer bringen zu lassen. „Wirklich sehr unpässlich“ sei er, der Partner. Wenn der Betroffene einen Tag später wieder am Tisch erschien, orderte er meistens nur eine Schale trockenen Reis, die ihm die kleine, trippelnde Bedienung mit mitleidigem Lächeln servierte. In Shanghai dann lebende Krebse. Mit glubschigen Augen blickten sie ihren Mördern aus trübem Wasser entgegen. Wurde einer als Mittagssnack auserwählt, bekam er einen Holzstab in den Hintern gerammt. Hektisch gingen seine Scheren auf und zu, als er durch einen Bierteig gezogen wurde, und klapperten wild, bis er, in siedendes Fett geworfen, seine Arme nur noch träge bewegte. Wenn er dann regungslos war, war er gar und wurde gegen einige Yuan dem Käufer überreicht. In Moskau aß ich keine Krebse, dafür Kascha, eine Art Fertigbeton mit Butter und Zucker. Der Einstieg in den Tag war aus kulinarischer Perspektive also leidlich, doch mittags und abends probierte ich allerlei Köstlichkeiten wie Sourniki, Blinis und Bortschtsch, der zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. Wenn man mit Männern im Ausland unterwegs ist, entdeckt man schnell zwei Typen von Essern: diejenigen, die wahllos alles in sich hineinstopfen, was nur im entferntesten nach Nahrung aussieht (und die diese Müllschluckermentalität auf wundersame Weise ohne das leichteste Magengrummeln überstehen) und die Pingeligen, die nichts anrühren und sich vor der Abreise mit Vitamin- und Mineralstoffkapseln eingedeckt haben, um dem Körper trotz strengster Nahrungsverweigerung weiterhin lebenswichtige Stoffe zuführen zu können. Erstere verfügen oft über eine esoterische Ader. Jeder Bissen geröstete Schlangenhaut lässt sie mehr und mehr den Charakter des Gastlandes erfahren. Letztere fühlen sich der Zivilisation verpflichtet und lehnen alles Barbarische ab, wobei barbarisch alles ist, was jenseits von Wiener Schnitzel liegt. |
Männer stehen ja eigentlich auf Muttis Küche. Kein Mann läßt sich Muttis Kasseler oder Hackbraten mit Rosenkohl entgehen. Auch Omelettes mit viel Speck drin oder Stampfkartoffeln mit Sauerkraut und Würstchen werden immer gern genommen. Über Muttis legendäre Kartoffelsuppe brauchen wir hier gar nicht sprechen und selbst Mamas Spinat, den wir als Kind immer gemieden haben, verzehren wir genüßlich, zusammen mit dem Rührei, das oben aufliegt und dessen Eiweissrand noch so glibberig ist, daß es nicht möglich ist festzustellen, wo das Eiweiss endet.
Wenn Männer verreisen, dann müssen sie natürlich auch andere Dinge essen. Entweder weil es einfach keine Käsespätzle auf der Karte hat oder weil die Frau oder Freundin dabei ist, vor der Mann gern den welterfahrenen und weltoffenenen Mann heraus kehren würde. In ersterem Fall entscheiden wir uns für die Mahlzeit, die unseren Essgewohnheiten am nächsten kommt. Beim Franzosen also „Beef Tartar“, beim Italiener „Pasta Bolognese“, beim Chinesen „Pekingente“, beim Spanier „Chili con Carne“ und beim Griechen „Gyros“. Die Rechnung, die man als Mann dabei anstellt ist eigentlich immer die gleiche: Preis/Fleischmenge plus 0.5 Punkte für jedes fremdländische und unbekannte Gewürz. Je niedriger das Ergebnis, desto höher ist die Bestellwahrscheinlichkeit. Kommen wir zum zweiten Fall. Die Frau ist dabei. Dann gilt es mannhaft sein und den vornehmen Feinschmecker hervor zu holen. Wir gehen also ins Lokal, nehmen der Dame den Mantel ab, halten ihr den Stuhl bereit und helfen ihr den Stuhl an den Tisch zu rücken, bestellen einen Apperetif (auch wenn wir nicht wissen wozu das gut ist), nehmen die Ellenbogen vom Tisch, verzichten auf Bier und trinken statt dessen Wein (passend zum Essen, dank der Hilfe des Kellners) und wählen die richtigen Dinge zum Essen. Beim Franzosen also „Froschenkel“ (schmeckt wie Hühnchen) und „Schnecken“ (schmecken nach Knoblauch), beim Italiener „Vitello tonato“ (wie halt Rinderschinken in Thunfischsauce so schmeckt), beim Chinesen „irgendwas süß-sauer“ (schmeckt alles gleich. Selten süß oder sauer.), beim Spanier „Paella irgendwas“ (schmeckt halt wie eine große Resteessenpfanne) und beim Griechen „Souflaki“ (schmeckt wie Gyros … Beim Griechen schmeckt fast alles wie Gyros). Die Formel hierzu lautet: „Anzahl unbekannter Fremdwörter“ mal „Preis minus Dauer der Beziehung in Jahren, die man mit der eingeladenen Frau schon auf dem Buckel hat“. Je höher der Wert desto höher die Bestellwahrscheinlichkeit. |