Shopping
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Schuhe. Klar. Der Klischeeklassiker. Frauen wollen immerzu Schuhe kaufen. Frauen brauchen immer Schuhe. Frauen können sich nichts Schöneres vorstellen, als einen ganzen geschlagenen Nachmittag damit zu verbringen, sich Stiefel, Stiefeletten, Sandalen, Schläppchen, Sneakers, Pumps, Mokassins, Flip-Flops und Ballerinas über die zarten Füßchen zu streifen.
Allein die Tatsache, dass ich in der Lage bin, aus dem Stehgreif neun Sorten Schuhe aufzuzählen, ist Männern Beweis genug, dass diese Schwäche genetischer Natur sein muss. Kein Mann wäre in der Lage, nach Modellen gefragt, spontan Oxford, Derby, Monkstrap, Loafer, Chelsea-Boot, Budapester und Norweger zu nennen. Nur Frauen, die können das. Falsch. Ich habe die Schuhnamen für diesen Beitrag mühsam ergoogelt. Richtig ist allerdings: Ich besitze mehr als zwei Paar Schuhe. Richtig ist aber auch: Ich kenne keinen Mann, der die Zivildienstzeit erfolgreich hinter sich gelassen hat, der mit zwei Paar Schuhen – Sportschuhen und Modell „Alleskönner“ – auskommt. Es braucht Laufschuhe, mindestens ein Paar schicke Schuhe, Alltagsschuhe, Sneakers, vielleicht noch Wanderschuhe. Die Anzahl der Schuhe korreliert nach jüngsten nessyschen Erhebungen mit dem Variantenreichtum an Hemden, Anzügen und Krawatten – und der nimmt aufgrund des wachsenden gesellschaftlichen Drucks auf Männer zu. Womit wir bei der Kleidung wären. Ich gebe zu: In diesem Punkt habe ich eine Schwäche. Ich besitze eine ganze Menge Kleidung, und – Ja doch! Ich sehe es ein! – ich stehe jeden Samstagabend vor dem Ausgehen vor meinem Schrank und jammere: „Ich habe nichts anzuziehen“. Meine Einsicht löst jedoch das Problem nicht. Denn das liegt in der Beschaffenheit meiner Pullover, Blusen, Hosen und Shirts. Während sie in der Umkleidekabine meiner Problemfigur ungemein schmeicheln und aus mir ein elfengleiches Wesen machen, verlieren sie aus unerfindlichen, bislang nicht näher erforschten Gründen – hier hat die Textilwissenschaft eindeutig Nachholbedarf! – diese Eigenschaft auf dem Weg nach Hause. Kaum habe ich das Preisschild herausgeschnitten, spannt die gleiche Bluse, die mir im Laden noch einwandfrei passte, über meinen Brüsten, und der Pullover macht eine Hummel in Schurwolle aus mir. Wirklich befriedigend ist nur das Einkaufen von Lebensmitteln. Nudeln, Pesto und Gummibärchen dienen nach dem heimischen Ausräumen des Klappkorbs der sofortigen Bedürfnisbefriedigung und machen ohne Umwege glücklich. Leider forcieren sie das Ich-habe-nichts-anzuziehen-Problem. Dummer Teufelskreis aber auch. |
Das Thema „Shopping und Männer und Frauen“ ist ja irgendwie schon uralt und steckt voller Klischees, die spätestens seit den Tagen des Hyperfeminismus und metrosexueller Männer über den Haufen und auf den Müll geworfen gehören.
Fangen wir doch einfach mit dem Klassiker an. Frauen gehen immer stundenlang einkaufen. Hab ich auch schon so erlebt und stimmt auch, aber inzwischen streunen Männer ebenfalls stundenlang durch die Einkaufszentren der deutschen Innenstädte und noch häufiger durch die Baumärkte in den Vororten. Ich jedenfalls komme selten vor Ladenschluß am Samstag aus dem Baumarkt wieder raus. Und aus Mediamärkten und Saturnläden begleitet mich normalerweise gegen 21:00 Uhr, der nicht immer freundliche Wachdienst vor dir Tür. Natürlich könnte mir sowas nicht in einem Klamottenladen passieren. Aber das Klischee, des Mannes der in einer Viertelstunde seine komplette Garderobe neu käuft, hält dem Realitätstest nicht mehr Stand. Kein Mann würde es sich heutzutage entgehen lassen genau zu prüfen, wie gut die Hose sitzt und alle Nähte, Falten und Flecken sorgfältig zu inzpizieren. Der einzige Ort an dem der 5 Minuten Einkaufstrick noch funktioniert sind Schuhläden. Das liegt aber einzig daran, daß Männer sich hier immer als Eindringlinge in einer vornehmlich weiblichen Sphäre fühlen. Aber neulich ist mir was wirklich Kurioses passiert. Meine Frau verabschiedete sich zum Schuhekaufen in die Innenstadt. Drückte mir einen feuchten Schmatzer auf die Wange und säuselte was von „ich bin dann mal eben weg zum Schuhe kaufen“. Ich stellte mich auf einen langen, freien Nachmittag ein den ich mit einem kleinen Nickerchen zu beginnen gedachte. Stellt Euch bitte meine Verwunderung vor, als meine Frau nach nur 45 Minuten wieder vor mir stand und genau ein Paar Schuhe gekauft hatte. In diesem Moment reifte in mir die Erkenntnis, daß die Klischees im Wandel begriffen sind. Männer! Es ist völlig ok, stundenlang einkaufen zu gehen, 14 Paar Schuhe auf einmal zu kaufen und für ein Zweistündiges Beratungsprogramm beim Beauty Salon um die Ecke einzukehren. Glaubt mir, die Zeiten ändern sich. Ich jedenfalls geniesse die neue Freiheit der Geschlechter und konsumiere, was die Läden hergeben. Dafür stören mich inzwischen auch behaarte Frauenbeine nicht mehr. Nein, echt nicht! |