Geheimnisse.
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Es gibt diese Paare, die einander alles sagen. Das sind jene, die auch rigoros das Badezimmer teilen: Er putzt sich die Zähne, während sie ihr Geschäft erledigt. Währenddessen bespricht sie sein vergangenes Sexualleben mit seinen Exfreundinnen – er kann aufgrund eines Mundes voller Zahnpasta nicht antworten, möchte es allerdings auch nicht, denn das alles haben sie schon einmal besprochen, sie möchte es nur wiederholen, um zu hören, dass das alles Vergangenheit ist.
Paare, die einander alles sagen, telefonieren täglich, sollten sie einmal einige Zeit getrennt voneinander verbringen müssen. Sie nennen es „Sorgen und Nöte miteinander teilen“, im Grunde ist es aber so, dass sie eine halbe Stunde miteinander reden, ohne Substanzielles zu sagen. Paare, die einander alles sagen, öffnen die Post des anderen, lesen seine E-Mails und sehen im Handy seine SMS an, ohne um Erlaubnis zu fragen. Es gibt keine individuelle Kommunikation. Nicht nur alles Materielle, sondern auch alles Gesprochene und Geschriebene gehört beiden zu gleichen Teilen. Paare, die einander alles sagen, fragen den anderen oft, was er denkt. Leider bekommen sie als Antwort genauso oft eine Lüge, denn er gibt ungern zu, dass er nicht über seine Zukunft mit ihr sinniert, sondern stattdessen der am Café vorbeiwandelnden Damenwelt auf den Hintern schaut und sich gerade vorstellt, wie es wäre, einer der Frauen an Ort und Stelle die Kleidung vom Leib zu reißen. Das Kopfkino kennt viele Filme, und nicht immer sind es solche, die auch der Partner gerne sehen möchte. Der Grat zwischen Privatssphäre und dem, was Partner teilen sollten, ist ein schmaler. Umso wichtiger ist es, eine für beide akzeptable, unsichtbare Linie zu ziehen. Es heißt, wer einander vertraut, hat keine Geheimnisse voreinander. Bei genauerer Betrachtung, ist es genau umgekehrt: Wer einander vertraut, gesteht dem Partner Geheimnisse zu. Geheimnisse bedeuten Freiheit, und Freiheit ist das Kind der Liebe. Dazu gehört Mut. Miteinander verbandelt zu sein, bedeutet nicht, keine Privatsphäre zu haben. Sondern es bedeutet, den Gegenüber und sein Bedürfnis nach Grenzen zu achten. |
Für eine Frau ist alles was sie nicht weiss ein Geheimnis. Und muss sofort ergründet werden. „Wo warst du gestern Abend?“, „Mit wem warst du unterwegs?“, „Wieviel hast du getrunken?“, „Was hast du getrunken?“, „Mit wem hast du gesprochen?“, „Worüber hast du gesprochen?“, „Was hatte dieser oder jener an?“, „Hast du rausbekommen von wem M. das Kind hat?“. … Diese Liste belangloser und alltäglicher Fragen, der weiblichen Neugierde liesse sich endlos fortsetzen, aber sie ermüdet mich hier beim Schreiben mindestens genauso sehr, wie in dem Moment, in dem Frau mich damit bombardiert.
Dabei ist nicht alles worüber Männer nicht sprechen ein Geheimnis. Dabei ist das meiste unserer Alltäglichkeiten einfach nur belanglos. Uns interessiert gar nicht was Gabi zu Klaus gesagt hat und von wem Monis Kind ist und warum Mareike deprimiert oder Johanna glücklich ist. Im Grunde genommen betrachten wir derartige Informationen ja auch nicht als Geheimnis. Und manchmal glaube ich sogar das Frauen so etwas nicht wirklich als Geheimnis betrachten. Sie behandeln es nur so. Frauen behandeln selbst größte Banalitäten als handle es sich um Staatsgeheimnisse, deren Verrat wenn schon nicht mit dem Tod, dann doch wenigstens mit lebenslanger Ächtung bestraft werden. Echte Geheimnisse sind etwas anderes. Sie gibt es in zwei Kategorien. Der Mitwisserschaft an einer Schandtat und dem alleinigen Wissen um einen Sachverhalt. Wenn mein Kumpel K. am Silvesterabend auf einer Party rummacht und seine Frau mich zwei Tage später fragt, ob ich was wüsste, dann ist Lügen nicht nur Ehrensache sondern erste Männerfreundschaftspflicht. Und Kumpel K. muss mich noch nicht einmal dazu auffordern. Die Tatsache das er und ich Männer sind impliziert das Stillschweigen über derartige pikante Details. Genau genommen handelt es sich aber selbst hier nicht wirklich um ein Geheimnis. Schliesslich wissen mindestens drei Leute davon und eine ahnt etwas. K, das Mädel, ich und die eifersüchtige Ehefrau. Ich bin mir auch sicher, daß seine Frau es eh rauskriegt. Niemand kann etwas vor einer eifersüchtigen Ehefrau verbergen. Die einzig wahren und echten Geheimnisse sind die an denen ausser dem Geheimnisträger niemand teilhat. Und dies sind meist auch die einzigen Geheimnisse, die es zu wahren gilt. Männer sind in dieser Hinsicht auch Gott-sei-Dank einigermassen zuverlässig – auch wenn es ab und zu nach viel Alkohol passiert, das man einem völlig Fremden (der meist genauso blau ist und neben einem auf dem Barhocker sitzt) alles erzählt. Und ich meine wirklich alles. Wenn man Glück hat, kennt der Fremde die Regeln der Alkoholikerbruderschaft! Trink und Schweig! |