Bärte.
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Es war in der Sparkasse. Vor mir in der Warteschlange stand die Mutter einer ehemaligen Schulkameradin. Um nicht unhöflich zu sein, grüßte ich mit einem freundlichen „Hallo, Frau X!“, woraufhin Frau X sich herumdrehte. Ich erstarrte. Das Klimakterium vollbringt so Einiges mit einer Frau, das wusste ich bereits, aber dass es sie zu einem Werwolf macht, hatte ich noch nirgendwo gelesen. Dicke, schwarze Borsten sprossen nicht nur auf Frau Xs Oberlippe, sondern auch an ihrem Kinn bis hinab auf das Dekolleté. Sie begann sogleich ein Gespräch, fragte, wie es mir ginge, aber ich konnte nur auf ihre Borsten starren. Unter Schwierigkeiten konzentrierte ich mich auf ihre Fragen, gab gezwungen Antwort, doch eigentlich dachte ich nur an eins: Nie, wirklich nie in meinem Leben werde ich es soweit kommen lassen. Ich werde mindestens zupfen. Oder rasieren. Bei vorhandenen finanziellen Mitteln werde ich es lasern lassen, aber ich werde nie in meinem Leben mit einem struppigen Besen im Gesicht herumlaufen.
Doch kommen wir zum eigentlichen Bartträgergeschlecht: den Männern. Ich möchte nicht per se ausschließen, dass Männer mit Vollbärten attraktiv sein können. Getroffen habe ich jedoch bislang keinen. Wisst Ihr: Ich mag Männergesichter. Deshalb möchte ich sie gerne sehen. Vom Hörensagen weiß ich von Frauen, die meinen, Vollbärte machten Männer männlicher. Ich meine: Vollbärte machen Männer total unsexy. Nicht einzuwenden ist allerdings gegen einen Drei-bis-Sieben-Tage-Bart. Oh ja. Ein Drei-bis-Sieben-Tage-Bart ist so sexy wie ein Vollbart unsexy ist. Fragt mich nicht, warum. Ich kann es Euch nicht sagen. Ich müsste meine Hormone konsultieren, allerdings geben sie mir selten Antwort und wenn, dann kommunizieren sie in einer Weise mit mir, die mich unleidlich macht. Männer mit Drei-bis-Sieben-Tage-Bart sind so wunderbar zivilisiert männlich. Ich sehe sie vor meinem geistigen Augen nicht Keulen schwingen, sondern Wasserkästen in die zweite Etage tragen. Sie zerteilen nicht bluttriefend Mammuts, sondern bereiten Filetsteaks ins Teflonpfannen zu. Sie sitzen nicht grunzend um ein Lagerfeuer und spitzen ihre Speere, sondern bringen mir im Wohnzimmer mein Bücherregal an. Nun gut, all dies erledigen rasierte Männer auch, aber unrasierte Männer sehen dabei einfach kompetenter und besser aus. Neben Vollbärten ist eine weitere Bartform der absolute Abtörner: der Schnäuzer. So eine Schenkelbürste geht gar nicht. Allerdings tragen heutzutage ohnehin nur noch Männer, die ziemliche Ladenhüter sind, Schnäuzer – von gestandenen, bayerischen Männern bei Holzhackwettbewerben einmal abgesehen. Der Tropfenfänger tut dann nur das Seinige dazu. |
Freitags gibt es Resteessen. Man wringt den Bart einmal gründlich aus – und alles was dann nicht fortläuft landet auf dem Teller. Geht natürlich nur, wenn man den Bart lang genug und vor allem lückenlos trägt. Nichts ist schlimmer als ein Mann, der meint einen Bart zu tragen und in Wirklichkeit nur unrasiert ist. Den Unterschied erkennt man in der Dichte des Bartes, der Schärfe der Kanten und der Menge an Essensresten, die im Bart hängen. Darum ist die freitägliche Säuberung des Bartes durch auswringen auch so wichtig – nicht nur um Geld beim Nahrungserwerb zu sparen.
Aber jetzt mal Spass beiseite. Als Bartträger hat man tatsächlich immer etwas länger was von seinen Mahlzeiten. Ein wenig Dönersauce, ein paar Tropfen Grillfett oder gar ein Stückchen Kräuterbutter sind immer drin. Das macht es aber für andere Leute auch manchmal ein wenig eklig. Wer an dem Döner vorgestern nicht teilhaben durfte, möchte wahrscheinlich heute (zwei Tage später) auch nicht mehr von der Sauce probieren. Also küsst keine Bartträger – außer ihr wart auch zum Essen eingeladen. Das andere Problem des Bartträgers ist die Länge. Und zwar entweder die mangelnde oder die überfliessende, quasi wallende Länge. Bärte scheinen einem seltsamen Gesetz zu folgen, nachdem sie entweder so ein bisschen nach Kai Pflaume aussehen (3 Haare hier, 3 Haare dort, ein bisschen Flaum unter der Nase) oder nach Osama Bin Laden (Gesicht ist hinter dem Bart nicht mehr zu erkennen). Wer den goldenen Mittelweg sucht und quasi, das Kurt Beck Modell tragen möchte (Ein Bart mit dem man nicht unrasiert oder gar ungewaschen aussieht, sondern immer noch einen Job bekommen würde – wenn auch nur als Ministerpräsident), der muß hart an seinem Bart arbeiten. Regelmäßiges Stutzen, Ausrasieren, Kämmen und – ab einer gewissen Länge – Shampoonieren sind erste Bartträgerpflicht. Das klingt natürlich so, als hätte das Barttragen keinen Vorteil. Stimmt natürlich nicht. Mit einem Bart lässt sich die eigene Attraktivität unter Umständen massiv steigern. Bärte verbergen das Doppelkinn (siehe Kurt Beck) und lassen einen Mann älter (und damit manchmal auch reifer) erscheinen. Nur Frauen werden auf gar keinen Fall durch einen Bart attraktiver. Das mag ja bei leichtem weissem Gesichtspflaum noch ganz witzig sein und mag auf manch einen sogar erotisch wirken, aber spätestens bei schwarzem, rasierpflichtigen Oberlippenbart hört der Spass auf. |