Gute Vorsätze.

Mein Vorsätzeklassiker ist: Keller aufräumen. Meinen Keller kann ich nämlich nur mit Abseilgeschirr und Grubenlampe betreten. Bevor es hinunter geht, muss ich die Bergwacht für eventuell eintretende Notfälle alarmieren, denn es kam schon vor, dass ich zwischen Blumentöpfen, Einrad, Mineralwasserkästen, nutzlosem Männerwerkzeug, Eimern mit eingetrockneter Farbe und Kram aus meiner Junggesellinnenbude verschüttet wurde. Alljährlich am ersten Januar nehme ich mir vor, zumindest schon einmal Sperrmüll zu bestellen, damit etwas Druck in die Sache kommt. Doch plötzlich ist schon wieder der 31. Dezember, und ich habe den gleichen Vorsatz wie im Jahr zuvor.

Mein zweiter Vorsätzeklassiker ist: abnehmen. Besonders nach den sättigenden Feiertagen, nach Braten, Keksen und Schokolade, wenn an der Waage einmal mehr die Sirene angeht und sie mir mit ihrem mahnenden Zeigefinger in das üppige Unterhautfettgewebe kneift, sage ich mir: zehn Kilo. Mindestens! Besser noch fünfzehn. Mindestens aber so viel, dass die Hosen nicht mehr kneifen. Am liebsten so viel, dass ich im Sommer schamlos Bikini und bauchfrei tragen kann.

Direkt an Neujahr will ich beginnen mit der Diät. Dabei nenne ich es nicht Diät, sondern benutze euphemistische Umschreibungen wie „bewusster ernähren“ oder „nur abends die Süßigkeiten weglassen“, damit es nicht nach freudlosem Zwang klingt. Dabei ist es genau das: Quälerei, Schinderei, Nahrungsfron. Sie nimmt mir jegliche Lebensfreude – ein Leid, das nur schwer mit meinem sonnigen Gemüt überein geht und mich zur Aufgabe zwingt. Spätestens wenn das Frühjahr kommt und mit ihm die neue Sommermode in XS, kriecht ein Gefühl des Versagens in mir hoch. Ein kleines Männchen raunt mir immerzu in mein Ohr: „War doch klar, dass du es nicht schaffst!“

Der dritte Vorsatz lautet: Kampf der Prokrastination, mehr Selbstmotivation! Nichts soll mehr aufgeschoben oder gar komplett liegen gelassen werden. Jede Arbeit werde ich direkt angepacken, sowie sie anfällt. Es wird keine Häufchen mehr mit Versicherungsschreiben geben, keine Wollmäuse hinter dem Wohnzimmerschrank, und die Lohnsteuerjahreserklärung erledige ich ab sofort noch vor der ersten Mahnung. Ich werde von nun an direkt nach dem Essen abspülen und die redselige Großtante mütterlicherseits noch am gleichen Tag anrufen, an dem ihre Geburtstagskarte angekommen ist. In der Theorie. In der Praxis bleibt alles, wie es ist: Was keinen unmittelbaren Nutzen verspricht, kommt auf eine immer länger werdende Liste von To Dos. Auf der steht auf: abnehmen, Keller aufräumen.

Weil das so ist, habe ich seit Jahren keine guten Vorsätze mehr. Ich willensschwache Lusche.

–nessy

„Nie wieder Alkohol!“ – das dürfte wohl der häufigste Satz unter Männern am 1. Januar sein. Und weil es sich um einen Imperativ handelt ist es wohl auch der häufigste Vorsatz für ein neues Jahr. Eigentlich kein Wunder bei der Mischung aus Getränken und Snacks. Da wird erst Sekt zum Anstossen, ein Glas Martini als Apperetiv, zwei Gläser Rotwein zum Essen, ein Grappa zur Verdauung, ein Bier zum Nachspülen und um Mitternacht nochmal ein Glas Sekt zum Anstossen getrunken. Allerdings ist der „Nie wieder Alkohol“-Vorsatz, wohl auch der am wenigsten ernst gemeinte.

Kaum hat man sich sein persönliches Anti-kater-rezept verabreicht (meins ist Fisch. Lachsbrötchen mit Dill, Salatgurke und Meerettich) ist der Vorsatz schon nicht mehr ganz so wichtig und spätestens am 2. Januar völlig vergessen. Interessanter, wenn auch meist genauso blödsinnig sind da dann schon die anderen guten Vorsätze. Meist werden die so zehn vor zwölf gefasst, wenn irgendjemand plötzlich in die Runde fragt: „Und was habt ihr Euch für nächstes Jahr vorgenommen?“ – Eine unangenehme Situation.

Der Frager, ist entweder weiblich oder die Sorte Mann, die schon vor Wochen angefangen hat Pläne für das neue Jahr zu schmieden. Noch schlimmer ist, daß die Frage in Wirklichkeit nur rhetorischer Natur ist – den Fragenden interessiert es nicht wirklich, ob ich mit dem Rauchen aufhören möchte oder nicht – er benutzt die Frage nur als Sprungbrett um von seinen eigenen guten Vorsätzen zu berichten.

Und dann sehen wir uns also genötigt was dazu zu sagen. Sehr beliebt sind „Mehr Sport treiben“, „Mit dem Rauchen aufhören“, „Gesünder ernähren“, „Weniger trinken“, „Früher zu Bett gehen“, „Mehr gute Bücher lesen“ und „Weniger Fernsehen“. Mir fällt daran auf, daß ich noch nie jemanden getroffen habe, der sich zum Jahresneuanfang was Positives vornimmt. In den meisten guten Vorsätzen schwingt ein Anklang von Selbstvorwürfen mit. Schöner wären doch so Dinge wie: „Mehr feiern – das Leben ist sonst zu trist“ oder „Weniger Arbeiten und mehr Freizeit“ oder „Aus dem Staat das Maximum an Steuern wieder rausholen“. Das scheinen mir deutlich angenehmere Vorsätze zu sein als dieses ewige schlechte Gewissen.

Und weil wir die meisten guten Vorsätze eh nicht einhalten, verweigern sich ja auch immer mehr Leute. Schade eigentlich, weil es eine gute Gelegenheit wäre sich zu mehr Spass und Lebensfreude zu entscheiden. Darum lautet mein guter Vorsatz für nächstes Jahr: „Mehr Geld fürs Vergnügen ausgeben, als dieses Jahr.“

–Mann²

1 / Januar / 2007  Zweierpack 
6 database queries in 0.123Bloggeramt.de