Die Wahrheit über …
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… Mann². Um halb eins in der Nacht gab es Getränke aufs Haus, um halb zwei fielen mir in Duisburg-Großenbaum die Augen zu, um halb drei lag ich im Bett und dachte im Hinübergleiten von Wach zu Traum seufzend: ein schöner Abend.
Es begab sich am Mittwoch vergangener Woche, dass Mann² und ich uns zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen sollten. 19 Uhr auf dem Düsseldorfer Burgplatz war ausgemacht. Ich verschlenderte gerade meine Zeit beim Kauf von Tinnef, als mein Handy klingelte und Ivan Rebroffs Ersatzstimme dran war. Mit sonorem Bass teilte Mann² mir mit, er sei zu früh, ob ich schon in der Stadt sei und nicht zum Burgplatz kommen wolle. Also Nippes bezahlt, Beine in die Hand und hin zum Mann². Auf dem Foto, das ich von ihm kannte, sah er aus wie ein einssechzig großer Butterfahrten-Busfahrer. Als ich um die Ecke bog, erblickte ich eine Mischung aus Indy Jones und deutscher Eiche und wusste: Das ist er – auch wenn er mir den Rücken zukehrte und seinen Bus außer Sichtweite geparkt hatte. Wir landeten, geblendet von hübschen Butzenscheiben, in einer ziemlichen Kaschemme von Pizzeria. Vier Weizenbier, zwei Krefelder, zwei Cola, zwei Ramazotti, eine Schachtel Zigaretten, ein Saltimbocca alla Romana, eine Pizza Margherita und eine Zabaione später waren wir immer noch nicht fertig mit erzählen, doch ein zufälliger Blick aufs Handy sorgte für beiderseitiges Entsetzen: 00:06 Uhr. Die Beratschlagung beim Getränk aufs Haus ergab: Ein Hotelzimmer fällt aus. Herr Nessy hatte Mann² ausrichten lassen, er habe eine Einzelkämpferausbildung, welche er sich nicht scheue zur Anwendung zu bringen, sollte ungebührliches mannquadratisches Verhalten es erforderlich machen. Wir beschlossen daraufhin kurzfristig, die Nacht durchzumachen – an Derartiges habe ich seit meinem 20. Lebensjahr nicht mehr gedacht -, aber dann fuhr doch noch eine S-Bahn. Was Ihr schon immer über Mann² wissen wolltet: |
…Nessy. Wenn man jemandes Blog regelmäßig liest, kommentiert und dann sogar ein paar Monate lang jeden Montag gemeinsam über ein Thema schreibt, dann bildet sich irgendwo hinter der Stirn ein Bild von der anderen Person. Man hat ganz automatisch das Gefühl ein wenig am Leben des anderen teilhaben zu dürfen und es entsteht die Illusion den anderen ein bisschen zu „kennen“.
Wer mich vor letzte Woche Mittwoch gefragt hätte wer Nessy ist, der hätte eine relativ detaillierte Antwort bekommen, ohne daß ich sie je getroffen oder gar gesprochen hätte. Ich hätte irgendwas von „aus dem Ruhrpott“ genuschelt und von „Draußen nur Kännchen“ erzählt. Von Herrn Nessy, der Soldat ist und davon, daß sie bei Pflaumenkuchen immer erst die Früchte isst und dann den Rest, weil sie es zusammen nicht mag. Eigentlich eine Menge Informationen, die darauf hindeuten, daß man jemanden gut kennt und dann steht diese Person eines Tages vor dir und man erkennt, daß man das Bild nochmal korrigieren muss. Das Nessy eine nette Stimme hat, wußte ich vorher schon, weil ich ihren Podcast gehört habe. Das eine so zarte Stimme aus einem 1.90 Meter großen elfengleichen Resonanzkörper kommt war eine Überraschung für mich. Es gibt wenige Frauen mit denen ich mich (im Wortsinn) auf Augenhöhe bewege. Nessy gehört dazu. Während ich frisch aus dem Büro im Anzug und Krawatte auf dem Burgplatz stand, tauchte sie in entspannter Freizeitkleidung und Rollkragenpulli auf. Auf dem Rücken ein Rucksack aus dem diverser IKEA-Tinnef herauslugt und auf dem Gesicht ein strahlendes Lächeln, daß durch zwei Apfelpausbäckchen noch verstärkt wurde. Und was habe ich an diesem Abend über Nessy gelernt? • Sie hat ihr Handy nicht im Griff, zumindest nicht den Teil an dem man den Klingelton abdreht. |