Verflossene.

Ex-Freunde sind für Frauen ein nicht endender Quell von Gesprächsinhalten.

Dabei gibt es vier Arten von Frauen: Diejenigen, die ihrem Exfreund noch Jahre später hinterherweinen, sich beschweren, wie hinterhältig und kaltherzig er sie verlassen habe und dass man eigentlich füreinander bestimmt gewesen sei. Sie können nicht verstehen, warum es auseinander gegangen ist, wo man doch immer alles gemeinsam gemacht hat und sogar eine mannsgroße Diddl-Maus als Kinderersatz adoptiert und auf der Besucherritze deponiert hatte.

Der zweite Typ sind diejenigen Frauen, die kein gutes Haar an ihrem Exfreund lassen. Die über jede seiner schlechten Gewohnheiten tratschen, seinem Penis die Form, Größe und Beschaffenheit einer unterentwickelten Spreewaldgurke zuschreiben und seine Fähigkeiten als Beischläfer auf die eines brünftigen Mufflons reduzieren. Die neuen Freundinnen des Exfreundes sind ausnahmslos kleingeistige Zicken, die er nur wegen ihres D-Körbchens hat – wobei das geneigte Lästermaul freilich vergisst, ebenfalls einmal Freundin ihres Exfreundes und Nachfolgerin einer anderen gewesen zu sein.

Die dritte Sorte Frau hat seinerzeit kurzerhand Schluss gemacht. Schließlich lässt sie sich nicht von jedem dahergelaufenen Weiberhelden auf der Nase herumtanzen. Damals war sie sich sicher, dass er fremdgegangen ist. Sie waren erst drei Wochen zusammen, da ist er schon mit diesem überkandidelten Wackelarsch abgehauen – um einen Reifen bei ihrem Twingo zu wechseln. Ha, das kann er seiner Oma erzählen, aber nicht ihr! Ihre Freundin hat gleich gesagt, dass er schon über jede im Ort drüber ist. Als er mit der Ollen aus dem dritten Stock Brüderschaft getrunken hat, war es aus, ein für allemal. Und jetzt behauptet der feige Sack auch noch, er hätte Schluss gemacht. So ein Heuchler!

Die vierte Sorte Frau gibt es nicht – oder erst, nachdem die zwölfte Generation Gras über die Beziehung gewachsen ist. Sie ist begütigend und feinfühlig, trägt nichts nach und erinnert sich mit realistischer Wehmut an die vergangenen Zeiten, ohne sie wiederhaben zu wollen. Die schwierige Trennung ist vergessen. Man hatte sich nichts mehr zu sagen, die Gefühle waren weg, es war ein zähes Ringen, aber letztendlich war die Entscheidung, auseinander zu gehen, die richtige. Was soll sie dem Ex grämen, schließlich trägt man die Schuld zu gleichen Teilen.

Nur manchmal, in stillen Stunden, wenn sie beim Umräumen den Karton mit den Erinnerungen abstaubt, möchte sie für einen kurzen Moment den Zauber der Beziehung wiederbeleben. Doch sobald sie sein Foto zurücklegt und den Deckel wieder schließt, fliegt der Gedanke davon.

–nessy

Von der ersten Sandkastenliebe bis zur Traumfrau ist es für die meisten Männer ein weiter Weg. Nur wenigen ist das Glück beschieden im zarten Alter von vier Jahren sich mit Nachbars Tochter anzufreunden und diese dann zwanzig Jahre später zu heiraten und glücklich bis ans Lebensende zu sein.

Die meisten von uns haben eine mehr oder weniger lange Reihe gescheiterter Beziehungen hinter sich. Normalerweise tun Männer sowas ja immer ab mit der Bemerkung, daß auch andere Mütter schöne Töchter hätten und im Teich noch andere Fische schwämmen.

Die Wahrheit ist das Männer ihr Leben lang nach der Traumfrau suchen. Anfangs wissen sie leider nur noch nicht wie die beschaffen sein muß. Und so braucht es einen iterativen Prozess ungeeigneter Kandidatinnen, die uns zumindest helfen herauszufinden, was wir nicht wollen. Wenn wir dann die Traumfrau gefunden haben, dann wissen wir oftmals nicht so genau, warum sie denn nun unsere Traumfrau ist, aber wir wissen ziemlich genau welche Macken sie alle nicht hat.

Aus dieser Betrachtungsweise ergibt sich natürlich ein etwas schwieriges Verhältnis zu unseren Verflossenen. Im besten Falle betrachten wir die Verflossenen mit der wehmütigen Nostalgie, mit der man auch alte Familienalben anschaut. Das geht allerdings nur, wenn die Trennung entweder so lang her ist, daß wir nicht mehr so genau wissen warum wir uns getrennt haben oder die Trennung so harmonisch lief, daß man quasi nicht einmal etwas davon bemerkt hat.

Alle anderen Verflossenen vermeiden wir lieber. Natürlich begegnet man hin und wieder eher zufällig einer der Ex-Freundinnen wieder. Unangenehme, von Schweigen geprägte Momente folgen. Meist versuchen wir dann das Schweigen zu brechen, indem wir leichte Konversation treiben.

Wir fragen nach dem Job, der Familie oder gemeinsamen Bekannten. Die einzige Frage, die uns wirklich interessiert (Hat sie einen neuen Freund? Ist er besser im Bett?) stellen wir nicht aus Angst vor der Antwort. So ganz lassen Männer nämlich nicht los. Komischerweise betrachtet man fast jede der Exfreundinnnen auch lange über die Trennung hinaus als Teil des persönlichen Eigentums.

Die Ursache für dieses Verhalten liegt in der Angst verglichen zu werden und schlechter abzuschneiden. Auch wenn wir eine gemeinsame Beziehung nicht mehr wollen, hätten wir gern das Gefühl was Besonderes gewesen zu sein – Glauben es aber nicht. Schliesslich wissen wir, das sie weiss wie wir sind wenn wir peinlich sind, uns daneben benehmen oder nur halb so männlich in manchen Diziplinen abschneiden, wie wir dem Rest der Welt gern vormachen.

Trotzdem gilt all diesen Verflossenen ein kleines „Danke!“ – schliesslich wüßten wir sonst nicht, was wir an unserer aktuellen Traumfrau haben.

–Mann²

30 / Oktober / 2006  Zweierpack 
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