Der Baumarkt.

Baumärkte sind Geschäfte ohne jeglichen Charme. Es fehlt an allem: an anregenden Präsentierständen, an animierenden Gerüchen, an gut aussehenden Verkäufern, an attraktiven Sonderangeboten, an hübschen Prospekten, an fröhlicher Hintergrundmusik, an räumlicher Nähe zu anderen Geschäften oder Cafés und nicht zuletzt an kaufenswerten Produkten.

Die einzigen Dinge, die es im Baumarkt gibt, sind …

  • sperrige Bretter jeglicher Art, mit denen man ohne einen geschickten Mann nichts anfangen kann,
  • martialische, Krach machende Maschinen, die ich nicht in die Hand zu nehmen wage, weil ich Angst habe, ich könnte mir damit ein Bein abschneiden,
  • hunderte Arten von Nägeln, Schrauben, Dübeln, Rohren, Winkeln, Klemmen und Klammern der im Baumarkt vorherrschenden Farbe Grau, die alle gleich aussehen, aber verzwickterweise diametral entgegengesetzen Zwecken dienen,
  • Dinge, die man im wahren Leben nie einzeln, sondern immer nur montiert wahrnimmt, wie muschelförmige Klobrillen, Duschwannen und Lichtschalter.

In Baumärkte gehe ich nur, wenn ich es nicht vermeiden kann. Wenn es niemand anderen gibt, der den Job machen kann. Wenn mein angeheirateter Hobby-Handwerker fluchend auf der Leiter steht und den Küchenschrank festhält, weil sein Schlagbohrer („Boah, Hammer, ey, was für ein geiles Drehmoment!“) ein viel zu großes Loch gebohrt hat und auch abgebrochene Streichhölzer dem eigens gekauften Hohlraumdübel nicht bei der Pflichterfüllung helfen. Dann, und nur dann, gehe ich in den Baumarkt.

Betrete ich diesen Ort der Do-it-yourself-Bewegung, der schwieligen Hände und schwitzenden Männerkörper, bin ich schon beim Eintreten gestresst. Ich begebe mich auf fremdes Terrain. Kenne mich nicht aus. Weiß nicht, wo das Produkt ist, das ich suche. Weiß nicht einmal, wie es aussieht. Welcher Abteilung es zugehörig sein könnte und welchem Zweck es genau dient.

Doch die Blöße, einen dieser belämmert grinsenden, hochnäsigen Mitarbeiter in seiner piefigen Latzhose zu fragen, gebe ich mir nicht. Damit ich winselnd vor ihm stehe, während er mir milde lächelnd den Unterschied zwischen Schlauchschellen und Schaukelhaken erklärt? Dann lieber das Falsche kaufen und vom heimischen Hobby-Handwerker nie wieder mit einem Baumarkt-Job beauftragt werden.

Oder ein bisschen in der Pflanzenabteilung stöbern, schonmal ein Blümchen für die Deko mitbringen und behaupten, Sparhülsen und Injektionsmörtel seien aus gewesen. Soll er doch selbst gehen. Nach zwei Stunden ungestörtem Hilti-Streicheln ist er dann außerdem wunderbar ausgeglichen, kompromissbereit und tatkräftig. Dann bekomme ich alles. Auch diese massive, schwer zu montierende Regalkombination in schreiendem Orange. Und sei es nur, damit er seinen neuen Akkuschrauber ausprobieren kann.

–nessy

Ich wollte nur ein Bild aufhängen. Der Griff nach den Bildnägeln in der Werkzeugkiste ging ins Leere und machte einen Trip zum nächsten Baumarkt unumgänglich.

Keine größere Freude kennt die Seele des Mannes, als den Besuch des Baumarktes. Eine Männerdomäne in der Frauen höchstens hinter der Kasse und am Informationsschalter geduldet werden. Auf den Streifzügen durch die Regalreihen vorbei an Farben, Klebern, Tapeten und Hämmern, Feilen und Sägen ist Mann noch ganz Mann.

Und dann stand ich in der Nagel-, Dübel- und Schraubenreihe. Die schier endlose Auswahl an Nägeln und Schrauben raubte mir dir Sinne. Nur so kann ich mir erklären was als nächstes passierte.

Plötzlich wurde mir klar, was ich in der Wohnung seit Wochen alles schon richten wollte und welch ungeahntes Potenzial für Verbesserung noch bestand. Die Offenbarung hatte quasi religiöse Ausmaße.

Also fing ich an einzupacken. Dübel (3mm) und Schrauben (4mm) um endlich die Garderobe im Flur anzubringen. Neue Lüsterklemmen und auch noch ein paar Energiesparlampen, denn die Lampen wollte ich seit dem Umzug schon erneuern.

Für einige der Schrauben mangelte es mir noch an dem passenden Schraubenzieher und so legte ich auch noch ein 72-teiliges Schraubenzieherset (magnetisch und isoliert) in den Einkaufskorb.

In der Bad und Küchenabteilung packte ich noch 30qm Fliesen und einen großen neuen Spiegel mit ein.

Und wenn ich eh schon im Bad werkeln würde, dann könnte ich auch gleich die Armaturen erneuern und das Badlicht mit einem stufenlosen Drehregler versehen.

In meinem Unterbewusstsein dämmerte mir, dass irgendwas schief lief, aber ich war nicht mehr zu bremsen. Schnell wurde der Wagen voll und der Berg unübersichtlich. Ich weiß nicht wie die Raufasertapete, die Lamellen und die Gardinenstangen dazu gerieten.

Aber es war mir egal. Ich war im Rausch. Ich war ein Gott. Der Do-It-Yourself Gott. Alles was ich tun musste war die richtigen Werkzeuge und Hilfsmittel einpacken und ich würde aus meiner Dreieinhalb-Zimmerwohnung einen Palast machen.

Zwei Stunden und vier Monatsgehälter später verließ ich, der Erschöpfung nahe, den Baumarkt, mietete einen Kleintransporter, karrte alles Heim, verstaute es im Keller und dann stand ich wieder in der Wohnung vor der offenen Werkzeugkiste und dem Bild, dass ich immer noch nicht aufgehängt hatte und stellte fest, dass ich noch immer keine Bildnägel hatte.

–Mann²

23 / Oktober / 2006  Zweierpack 
6 database queries in 0.131Bloggeramt.de