Kochen.
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Wir Frauen lieben Männer, die es verstehen, uns leckere Speisen zuzubereiten. Ein zartes Filetstückchen, medium gebraten, an Prinzessböhnchen in Schinken ist nicht nur ein Schmaus für den Gaumen. Der zarte Umgang mit dem Fleisch, das vorsichtige Umwickeln knackiger Bohnen mit reifem, wohlduftendem Schinken, der Anblick gefährlicher Messer in kräftigen Männerhänden, das bedächtige Kosten der Soße, die nur darauf wartet, gemeinsam vernascht zu werden – das ist die Erotik der Küche.
Wir Frauen wissen: Köche sind Gentlemen, die nicht nur mit dem Löffel umzugehen wissen. Zweite Weisheit: Männer, die sich nicht einmal ein Spiegelei braten können, bringen auch sonst im Leben nichts zuwege. Denn was soll frau schon von einem Mann erwarten, der kein Wasser zu kochen weiß: Wohl kaum, dass er für seine Holde zielsicher die Klippen des Lebens umschifft. Wir scannen den Mann: Kann er kochen, eignet er sich als potentieller Befruchter zur Arterhaltung und Pflege der Brut. Denn ein kulinarisch belesener Mann lässt seine Auserwählte nicht allein mit den Herausforderungen des Alltags. Er wird dem gemeinsamen Leben die richtige Würze geben, aber Magenschmerzen bereitende Schärfe vermeiden. Kann er nicht kochen, sieht frau sich schon einsam am Herd, schreiende Bälger an den Beinen, während der Alte breitbeinig Bier schlürfend vor seinem Premiere-Decoder sitzt. Bevor es zur Arterhaltung kommt, muss er sich jedoch bewähren. Stichwort: Date bei ihm daheim. Er kocht. Ludwig Feuerbach sagte einmal: „Der Mensch ist, was er isst.“ Ich möchte ergänzen: „Der Mann ist, was er kocht.“ (Er isst auch, was er kocht. Sollte er es nicht tun – Obacht!). Gibt’s Pasta, ist er ein Leidenschaftlicher. Oder ein Langweiler, denn Nudeln mit Soße kriegt schließlich jeder hin. Serviert er Fisch oder Wild, ist er ein Perfektionist. Bei hart gekochtem Naturreis Achtung! Das deutet auf biologisch-ideologischen Wahn hin. Das Gleiche gilt für Vegetarisch – oder wollt Ihr zu gegebener Zeit Sex auf Kirschkernkissen und Dinkeldecken haben? Asiatisches Essen verspricht Unkonventionell-Abenteuerliches. Mit dem Mann könnt Ihr etwas erleben. Es sei denn, der Typ referiert während des Mahls ausführlich von seiner mehrjährigen Fahrradreise durch Indien auf der Suche nach Baghwam. Dann ist eher meditatives Beisammensein angesagt. Und wir Frauen? Wir kochen auch gerne. Und lassen nichts anbrennen, was die Wahl des Mannes angeht: Kochen muss er können. |
Ein Mann, der sich bekochen lässt, gehört ins 20. Jahrhundert. Eine düstere Zeit, in der rundliche Matronen ihren Ehemännern Kartoffelsuppe, Linseneintopf und Grüne Bohnen zubereiteten. Ein Kapitel, welches so düster ist, dass lediglich in alten Rezeptbüchern und Dr. Oetker- oder Maggi-Werbung noch darüber gesprochen wird.
Im 21. Jahrhundert ist alles anders. Das erste, was auffällt, ist, dass Koch- und Rezeptbücher bunt, farbig und verständlich sind. Vorbei sind die Zeiten, in denen man in der letzten Zeile des Rezeptes liest, dass man vor 30 Minuten den Ofen auf 200 Grad hätte vorheizen müssen. Das scheint keine große Sache zu sein, aber erst moderne Rezeptbücher mit ihren übersichtlichen Zutatenlisten, gut durchstrukturierten Anweisungen und farbigen Bildern haben es dem Mann möglich gemacht, sich aus der jahrtausendelangen Knechtschaft der Frau in der Küche zu befreien. Endlich sind wir Männer aus der Tristesse der Kartoffelsuppe und des Linseneintopfs herausgetreten in das Zeitalter von mariniertem Gemüse, Karotten-Orangen-Suppen mit frischem Schnittlauch und einem Sahnehäubchen und Lachsfilet in Dill-Sahne-Sauce. Und so kommt es also, dass sich Männer, die den ganzen Tag über graue Anzüge tragen und langweilige, staubige Akten wälzen, sich nach Feierabend in den Don Juan der Küche verwandeln und mit Hilfe von exotischen Gewürzmischungen, frischen Zutaten und großen, scharfen Messern die Frauen ihres Herzens verzaubern und in hilflose, vor Glück schluchzende Kreaturen verwandeln. Denn eins ist klar. Der moderne Mann kocht nicht nur, um einfach eine Mahlzeit zuzubereiten. Er kocht um des Kochens willen. Um Leidenschaft zu entfachen oder um erhitzte Gemüter zu besänftigen. Er kocht, um Unterhaltung zu schaffen oder um Ruhe und Frieden einziehen zu lassen. Das ganze mal nach Rezept und mal dynamisch (wobei zugegeben wird, dass dynamisch einfach nur bedeutet, dass Mann das Rezept auswendig kennt und die Gewürze aus einem Meter Entfernung schwungvoll in den Topf wirft – wenn es gelingt, sieht es irre beeindruckend aus.) Und die Frauen? Reduziert auf den Zuschauer- und Konsumentenanteil der ganzen Veranstaltung? Nein, keineswegs. Schließlich bleiben noch Nachtische, Obstsalate und Kuchen. Denn nur weil Männer die Küche für sich entdeckt haben, bedeutet das nicht, dass sie plötzlich Kuchen backen und mit Süßspeisen hantieren. Und das bleibt noch mindestens so lange so, bis Männer entdecken, wie leidenschaftlich Vanillepudding sein kann. Also gibt es noch immer Platz in der Küche für eine Frau. Und schließlich muss einer auch noch den Abwasch machen. |