Kino.
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Kino ist wie alles andere für Frauen vor allem ein soziales Ereignis. Es geht nicht in erster Linie um den Film, sondern um das Miteinander. Treffen, quatschen, Cola light schlürfen, gemeinsam Nachos tunken, Film gucken, über den Film quatschen – undsoweiter.
Bevor es losgeht, wird mit den Freundinnen in mehrstündigen Telefongesprächen abgestimmt, welcher Film geschaut wird. Freundin A ist für Film A, Freundin B auch, Freundin C allerdings für Film B und man selbst für Film C, was nach langen Diskussionen dazu führt, dass man sich Film D anguckt – aber nur, weil dort die männliche Hauptrolle die attraktivste ist. Das zeigt schon, nach welchen Kriterien wir Filme für gut und für schlecht befinden. Wichtig ist nämlich nicht allein die Handlung, sondern die äußere Gestalt der mitwirkenden Schauspieler, denen im besten Fall die Rolle des gefallenen Helden zukommt – das erweicht unser Herz. Schöner als mit Freundinnen ins Kino zu gehen ist natürlich, beim Betrachten y-chromosomaler Mimen einen Mann an der Seite zu haben. Jake Gyllenhall und anderen Sahneschnitten beim Arbeiten zusehen und dabei den Kopf an eine starke Schulter lehnen – das ist Zucker. Die Aufforderung einer Frau, mit ihr ins Kino zu gehen, kommt für einen Mann der Einladung zum Knutschen gleich. Und wozu? Zu Recht. Kino ist für Pärchen und jene, die es werden möchten, gleichbedeutend mit Kuschelsessel und schummriger Dunkelheit. Wesentlicher Bestandteils des Worts „Kuschelsessel“ ist – genau! Freilich ist es mit 30 nicht mehr so einfach wie mit 16, als man sich einvernehmlich kichernd zielgerichtet in die letzte Reihe verzog, um dort vom Abgang des Eismanns bis zum Abspann an Stellen zu fummeln, die man vor dem Publikum in der großen Pause nicht freilegen kann. Mittlerweile zeigen wir unsere Zuneigung dem Sitznachbarn subtiler. Welcher Film dabei läuft, ist egal, denn jedes Genre eignet sich für Annäherungen. Bei Komödien neigen wir uns überschwänglich lachend dem Liebsten zu, um unsere Heiterkeit mit ihm zu teilen. Während des Thrillers klammern wir uns angstvoll an ihn und bergen unseren Kopf in seinem muskelummantelten Schlüsselbein. Bei Romanzen ergreifen wir seufzend seine Hand und versichern uns seiner Anwesenheit in den schweren Stunden, die der Protagonist durchmachen muss. Lieber als Kino ist uns allerdings das Gespräch. Auch die mitteilungsbedürftigste Frau kann cineastischen Frontalunterricht nicht zu einem sozialen Happening machen. Und reden tun wir halt immer noch am liebsten. |
Wer mit seinem besten Freund ins Kino geht, begeht als Mann mit Sicherheit keinen Fehler. Sowohl die Wahl des Films, der Getränke und der Sitzplätze bereitet keinerlei Schwierigkeiten – einem gelungen Abend steht nichts im Wege, ausser vielleicht ein Sitzriese in der Reihe vor einem.
Filmtechnisch wird spontan gewählt. Mann stellt sich ins Kino vor die Plakatwände und sucht sich ein Poster aus, das nicht nur Action und Nervenkitzel, sondern nach Möglichkeit noch eine leicht sexuelle Komponente suggeriert. Hat Mann den Film erst einmal gewählt ist der Rest ganz leicht. Mann drängelt sich unter Einsatz der Ellbogen an der Kasse ein wenig vor und kauft zwei Plätze „Mitte/Mitte“ von dem pubertierenden und Akneleidenden Aushilfsticketverkäufer. Falls „Mitte/Mitte“ schon belegt ist versucht man es Reihenweise nach oben. Erledigt. War doch gar nicht so schwer. Jetzt nur noch – ebenfalls unter Einsatz von Ellenbogen – an die Snackbar und zwei kalte herbe Bier, der Marke „Grüne-Flasche-Nordisch-Herb“ und los geht’s. Und zwar meist noch mal kurz zum Mäckes um die Ecke, um noch einen Burger einzupfeifen, bevor man sich in den Film aufmacht. Es ist nämlich überhaupt nicht sinnvoll zu früh im Kinosaal zu sitzen. Die Werbung interessiert einen eh nicht und wer später kommt hat die Möglichkeit, bei der Platzsuche und dem Durch-Die-Reihen-Schieben den weiblichen Kinobesuchern ausführlich in den Ausschnitt zu starren. Wenn der Film erst einmal angefangen hat gilt: Klappe halten! Aufdringliche Nebensitzer, die versuchen sich die Armlehne unter den Nagel zu reißen werden entweder durch Ellenbogendrücken oder regelmäßiges Rülpsen in ihre Schranken verwiesen. Dann noch kurz dem Sitzriesen in der Vorderreihe auf die Schulter tippen und ihn bitten den Kopf einzuziehen. Fertig. Der Erfolg des Abends hängt jetzt nur noch an dem Film. Wenn er gut war gehen wir hinterher noch irgendwo zwei Bier zischen. War er schlecht gehen wir hinterher noch irgendwo zwei Bier zischen. Bei der Verabschiedung klopfen wir uns ordentlich auf die Schultern, loben den Abend und trotten dann leicht angeheitert nach Hause, wo wir dann unsere Liebste in den Arm nehmen und auf die Frage „Wie wars?“ mit „Ganz ok“ antworten und zustimmen beim nächsten Mal mit der Angebeteten die neueste Schnulze anzuschauen. |